DFG-Projekt "Gibt es ein Recht auf urbanen Wohnraum?"

 

Verantwortliche Personen am Lehrstuhl: Meireis, Wustmans

 

dfg_logo_schriftzug_blau_foerderung_4c.jpgDas von 2019 bis 2022 durch die DFG finanzierte Forschungsprojekt beschäftigt sich mit der dreiteiligen Frage, ob ein moralisches Recht auf urbanen Wohnraum begründbar ist, was ein solches Recht implizierte und wie es gegebenenfalls zu implementieren wäre.

Im Hintergrund steht die kaum umstrittene Diagnose, dass für viele Menschen bezahlbarer Wohnraum in den wirtschaftsstarken Ballungsräumen zu einem höchst knappen Gut geworden ist. Die politische und ökonomische Debatte über unterschiedliche Lösungsstrategien, die ein mehr oder weniger starkes Eingreifen des Staates implizieren, wird kontrovers geführt. Begründet ist die Kontroverse auch in den – zumeist nicht offen ausgewiesenen – divergierenden Auffassungen davon, was mit einem Mangel an bezahlbarem urbanem Wohnraum normativ auf dem Spiel steht. Ordnet man die Frage nach Wohnraum in städtischen Ballungsräumen dem Bereich moralisch neutraler individueller Präferenzen zu, dann ist ein Eingreifen der öffentlichen Hand in das freie Spiel des Marktes eher unplausibel. Wenn sich aber Gründe dafür namhaft machen lassen, die Frage des Wohnraums als Gerechtigkeitsfrage zu verstehen, wenn etwa der Zugang zu urbanem Wohnraum Bedingung für eine auskömmliche Beschäftigung ist oder aufgrund der Mobilitätserleichterung zu größerer Nachhaltigkeit beiträgt, dann stellt sich die Lage anders dar.

Methodisch geht das Projekt interdisziplinär vor, es bedient sich zur Bearbeitung der ethischen Fragen einer kohärentistischen Theorie und stützt sich auf ökonomische und soziologische Auswertungen empirischer Analysen.

Dem Globalziel – was bedeutet die Rede von einem „moralischen Recht auf urbanen Wohnraum“, ist es begründbar, wie wäre es zu implementieren – entspricht eine Reihe von Teilzielen. So sind zunächst die Wohnraumsituation und ihre Parameter – etwa der faktische Stand der stets postulierten Gleichheit der Lebensverhältnisse in Stadt und Land, die Situation des Wohnungsmarktes, das soziale Profil der Betroffenen sowie die rechtliche Lage – zu analysieren. Außerdem ist die normative Argumentation zu erheben, wie sie in den einschlägigen sozialethischen Debatten der jüngeren Vergangenheit entwickelt worden ist. Ausgehend von diesen Argumentationen sowie den einschlägigen Debatten über Raumordnung und Wohnraumverteilung lassen sich die normativen Implikate gegenwärtig vertretener politischer Positionen identifizieren. Auf dieser interdisziplinär informierten Grundlage werden die präskriptiven Bedeutungsgehalte und deskriptiven Implikate eines moralischen Rechts auf Wohnraum in der Stadt beschrieben, um dann zu untersuchen, unter welchen de- und präskriptiven Bedingungen ein solches Recht verteidigt werden kann oder bestritten werden muss. Um eine Folgenabschätzung zu ermöglichen, dient ein durch externen Sachverstand bereicherter Reflexionsgang der Erwägung, wie eine politische und ökonomische Implementierung eines solchen moralischen Rechts gestaltet werden könnte und mit welchen Nebenfolgen zu rechnen wäre.

Das von 2019 bis 2022 bewilligte Projekt wird gemeinsam mit Prof. Dr. Bernhard Emunds und Julian Degan vom Oswald von Nell-Breuning-Institut der Philosophisch-theologischen Hochschule Sankt Georgen durchgeführt.

 

Weiterlesen: Dr. Clemens Wustmans stellt das Projekt auf feinschwarz.net vor.

 

Am Lehrstuhl organisierte Veranstaltungen:

Tagung Die Wohnungsfrage - eine Gerechtigkeitsfrage in Kooperation mit dem Haus am Maiberg, dem Institut für Theologie und Sozialethik (iths) Darmstadt, der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) Heidelberg sowie dem Nell-Breuning-Institut Sankt Georgen (22./23. März 2021)