Geschlechtergerechte Sprache

Die sprachliche Gleichbehandlung der Geschlechter ist von unerlässlicher Bedeutung. Trotzdem waren und sind im Allgemeinen - hier und da auch im universitären Sprachgebrauch - Texte im generischen Maskulinum formuliert. Frauen werden hier nicht erwähnt und bleiben dadurch im wissenschaftlichen Kontext und in der Vorstellungskraft der Lesenden unsichtbar. Die weiterhin bestehenden, ablehnenden Hinweise, eine gendergerechte Sprache ändere die bestehende Ungleichheit nicht oder behindere die Lesbarkeit, zeugt nicht vom Willen, auch durch einen Sprachwandel allen Geschlechtern gerecht zu werden. Sprache ist kein neutrales Werkzeug, sie beeinflusst unser Denken. Angesichts der o.g. Problematik hat die Humboldt-Universität einen eigenen Leitfaden (mit entsprechenden Beispielen) zum Thema „Gendergerechte Sprache“ herausgegeben.

In der Verfassung der Humboldt-Universität zu Berlin, § 38 „Geschlechtergerechte Sprache“ heißt es dazu:

Im allgemeinen Schriftverkehr sowie in Rechts- und Verwaltungsvorschriften einschließlich Studien-, Prüfungs-, Promotions- und Habilitationsordnungen sind entweder geschlechtsneutrale Bezeichnungen oder die weibliche und die männliche Sprachform zu verwenden.

Dies entspricht der Gemeinsamen Geschäftsordnung für die Berliner Verwaltung (GGO I, § 2 Abs. 2):

Die sprachliche Gleichbehandlung von Frauen und Männern ist zu beachten. Im amtlichen Sprachgebrauch ist die im Einzelfall jeweils zutreffende weibliche oder männliche Sprachform zu verwenden.

Durch den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) vom 9.11.2017 wurde die Verwendung einer gendergerechten Sprache erneut in den Mittelpunkt gestellt. Der Erste Senat forderte in seiner o.g. Entscheidung die Einführung einer positiven Geschlechtsbezeichnung für intergeschlechtliche Menschen, somit ein stärkeres Genderbewußtsein des Gesetzgebers aber auch der Gesellschaft. Als Folge wurde das Personenstandsregister zum 01.01.2019 durch Einführung des „3. Geschlechts“ (divers) geändert.

Das Büro der zentralen Frauenbeauftragten der HU hat 2019 einen neuen, gendersensiblen Leitfaden erarbeitet, der den „Auftrag“ des BVerfG aus 2017 erfüllt, über die bisherigen binären Kategorien Mann-Frau hinaus zu denken. Gleichzeitig erfolgte die Anpassung aller Verwaltungsdokumente / Formulare (Genderneutralität) für alle Universitätseinrichtungen.

Gendergerechte Sprache zeigt Wertschätzung gegenüber allen Menschen, unabhängig von ihrem Geschlecht. Das Büro der dezentralen Frauenbeauftragten unterstützt diesen Prozess aktiv.

 

Wichtige Links

Personenstandsrecht muss weiteren positiven Geschlechtseintrag zulassen: Pressemitteilung Nr. 95/2017 vom 8. November 2017

Zentrale Frauenbeauftragte der Humboldt-Universität (hier) - Broschüre gendergerechte Sprache (hier)

Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien, HU BerlinSprache und Wirklichkeit und die Diskussion um das Gendersternchen

 

 

Literatur

 

  • Genderwörterbuch (hier)
  • Hornscheidt, Lann: Gender sprachlich loslassen, in Bundeszentrale für politische Bildung, 8.8.2018. (hier)
  • Hornscheidt, Lann: Sprache ist überhaupt nicht egal, sie prägt die Gesellschaft" in "Es ist eine Frage der Zeit, bis wir bei der Geburt kein Geschlecht mehr zugewiesen bekommen", Interview in Zeit-Online, 2016.
  • Hornscheidt, Lann: feministische w_orte. ein lern-, denk- und handlungsbuch zu sprache und diskriminierung, gender studies und feministischer linguistik. Franktfurt a.M.: Brandes & Apsel 2012. (hier)
  • Hornscheidt, Lann (Hg.): Schimpfwörter – Beschimpfungen – Pejorisierungen. Wie in Sprache Macht und Identität verhandelt werden. Frankfurt a.M.: Brandes & Aspel 2011.
  • Hornscheidt, Lann (Hg.) AK Feministische Sprachpraxis: Feminismus schreiben lernen, Frankfurt a.M. 2011.
  • Kotthoff, Helga & Nübling, Damaris: Genderlinguistik. Eine Einführung in Sprache, Gespräch und Geschlecht. Tübingen: Narr\Francke\Attempto 2018.
  • Müller-Feldmeth, Daniel et al.: „Processing gender stereotypes in dementia patients and older healthy adults: a self-paced reading study“, in: Linguistics Vanguard 2019.
  • Aikhenvald, Alexandra Y.: How Gender Shapes the World. Oxford et al.: Oxford University Press 2018.
  • Nübling, D.: Und ob das Geschlecht mit dem Sexus. – In: Sprachreport, H.3 2018.
  • *Vera Nünning und Ansgar Nünning: Erzähltextanalyse und Gender Studies, Stuttgart, Metzler Verlag 2004.

 

Aktuelle Forschungsberichte und Blogs außerhalb der HU:

Anlässlich der Frankfurter Buchmesse startete der Blog interdisziplinäre Geschlechterforschung des Netzwerkes Frauen- und Geschlechterforschung NRW am 14. Oktober 2019 eine Debattenwoche zum Thema „Sprache“. Geschlechtergerechte Sprache ist ein „heißes“ Thema. 

Einige Beiträge werden wiedergegeben, zumal sie auch auf weiterführende Literatur verweisen: