Humboldt-Universität zu Berlin - Praktische Theologie (Homiletik/Liturgik und Kybernetik)

Forschung

Laufende Projekte

Religiöse Rede als Ressource in Süd- und Zentralasien: Unterweisung, Medialisierung und Kommerzialisierung
Teilproject C04 des SFB 1070 RessourcenKulturen (Tübingen)

 

Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Förderzeitraum: 2017-2021
Projektleitung: Prof. Dr. Ruth Conrad und Prof. Dr. Roland Hardenberg (Frobenius-Institut für kulturanthropologische Forschung an der Goethe-Universität Frankfurt)
Projektmitarbeiterin: Dipl. Theol. Sophia Schäfer

 
Das Teilprojekt verfolgt das Ziel, den Einsatz, die Bedeutung und die Wirkung religiöser Ressourcen in verschiedenen Gemeinschaften Süd- und Zentralasiens zu untersuchen. Generell soll das Projekt einen Beitrag zur "Ritualökonomie" leisten, also die übliche Trennung der Sphären von Ökonomie und Religion hinterfragen und die vielfältigen Überschneidungen ökonomischer sowie religiöser Wissensformen, Aktivitäten, Räume und Objekte aufzeigen. In der zweiten Projektphase stehen „religiöse Reden“ als religiöse Ressource im Mittelpunkt der Forschung, da sie in verschiedenen Religionsgemeinschaften Süd- und Zentralasiens von zentraler Bedeutung sind. Unter „religiösen Reden“ werden sehr allgemein öffentliche orale Performanzen verstanden, die sich meist auf sakrale Texte beziehen und eine transformierende Wirkung auf die Zuhörerschaft anstreben. Die bisherigen Forschungen haben gezeigt, dass religiöse Reden als Ressource eine entscheidende Rolle bei der Entstehung, dem Erhalt und der Veränderung religiöser Institutionen Süd- und Zentralasiens spielen.
Es werden drei Fallstudien erarbeitet. Die von Frau Schäfer durchgeführte Fallstudie befasst sich mit der Bedeutung der Predigten innerhalb der Jeypore-Kirche im Bundesstaat Odisha.  In den beiden anderen Fallstudien sind einmal im indischen Puri die religiösen Reden der Vorsteher verschiedener Klöster und Ashramas Gegenstand der Untersuchungen und zum anderen stehen in Kyrgyzstan neben den religiösen Diskursen der Laien vor allem die Reden der Geistlichen (Imame) in den Moscheen der Hauptstadt sowie bei Großveranstaltungen der Religionsstiftungen im Mittelpunkt der Forschung.
 
In allen drei Fallstudien sind religiöse Reden Teil von Ressourcen, die Bildung, Texte, Medien, Orte, Netzwerke etc. umfassen. Die spezifischen Dynamiken dieser RessourcenKomplexe ergeben sich, so die Hypothese, in allen drei Fällen aus dem Zusammenhang von religiöser Unterweisung, Medialisierung und Kommerzialisierung. In der ersten Projektphase hat sich gezeigt, dass in Indien und Kyrgyzstan religiöse Redner häufig das Ziel verfolgen, durch ihre Unterweisungen - begleitet von unterschiedlichen Performanzen - zur Konversion, Erweckung oder religiösen Revitalisierung von Einzelnen oder ganzen Gruppen beizutragen. Dies wiederum geschieht erstens durch Flankierung der Reden durch soziale Angebote, zweitens durch den Einsatz verschiedener Medien (Texte, heutzutage verstärkt mit Hilfe des Internets sowie audio-visueller, sozialer oder digitaler Medien) und drittens durch diverse Strategien, religiöse Konkurrenzsituationen zum Vorteil der eigenen religiösen Gemeinschaft zu nutzen.
Speziell die Medialisierung verweist auf die materielle Dimension religiöser Reden, die einerseits als Broschüren, Zeitschriftenbeiträge, Bücher, Kassetten, Videos, CDs, DVDs und Internetstreams verbreitet, gekauft und konsumiert und die andererseits immer finanziert werden müssen. Ein Schwerpunkt der Studie wird daher auf dem Verhältnis von praktisch-theologischen, insbesondere homiletischen und religionsökonomischen Fragestellungen liegen.

 


 

Praktiken der Selbstformung. Religiöse, moralische und ästhetische Dimensionen                                                                         Projektgruppe der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Theologie (WGTh)

 

Förderung: WGTh
Förderzeitraum: 2021-2023
Projektleitung: Prof. Dr. Ruth Conrad (Praktische Theologie, Berlin; Sprecherin), Prof. Dr. Christoph Seibert (Systematische Theologie, Hamburg) und Prof. Dr. Barbara Müller (Kirchengeschichte, Hamburg)
 

Das Projekt knüpft an die u.a. in diesen Diskursen jeweils perspektivisch wirksame Idee vom Zusammenhang zwischen praktischen Übungen/Techniken und der Entwicklung von normativen Selbstbildern an und bezieht sie auf die drei Themenfelder der religiösen, moralischen und körperästhetischen Selbstformung. Selbstformung wird dabei verstanden als die intentionale Arbeit von Menschen an sich selbst.

Pro Themengebiet sollen ausgewählte Beispiele für solche Formungsprozesse in den Blick genommen werden, und zwar (a) Religion: spirituelle Übungen wie Gebet und Meditation, (b) Moral: z.B. Anti-Rassismus-Training, Training zu gewaltfreier Kommunikation oder Mitleidstraining, die etwa von der Neurowissenschaftlerin Tania Singer untersucht wurden, aber auch Tugendübungen in lebenskunst-philosophischen und/oder religiösen/spirituellen Strömungen; (c) Körperästhetik: sportliche Übungen wie Bodybuilding, Fitness und Yoga. In allen drei Bereichen soll sowohl nach den spezifischen Formen innerer Aktivität gefragt werden als auch nach dem Zusammenhang zwischen der selbstformerischen Aktivität und den deskriptiven und normativen Selbstbildern. 

Das Projekt ist auf drei Jahren angelegt und soll in Form einer Arbeitsgruppe mit fester Besetzung realisiert werden, die sich einmal im Jahr zu einem zweitägigen Workshop trifft, um eigene Beiträge zu diskutieren. Zusätzlich sollen zu den Treffen Experten/innen eingeladen werden, die das Thema u.a. mit nichttheologischen Fachwissenschaften vernetzen. 

Qualifikationsarbeiten

Qualifikationsarbeiten

Religiöse Autorität als Ressource. Kultur und Religiosität einer christlichen Community Ostindiens im Wandel (Arbeitstitel)
Dissertationsprojekt durchgeführt von Sophia Schäfer

Predigten werden aufgrund ihrer mündlichen und körperlichen Performanz, dem einhergehenden Erfahrungscharakter, aber auch ihres inhaltlichen und theologischen Aufbaus als religiöse Reden bezeichnet. Der performative Charakter und ihre Wirksamkeit auf die jeweilige Hörerschaft werden dadurch besonders hervorgehoben. In diesem Dissertationsprojekt stellt sich die Frage nach der sozialen Wirkung und Funktion der Predigt innerhalb christlicher Gemeinschaften. Dabei stehen besonders die Prediger*innen und ihre religiöse Autorität im Mittelpunkt, die jener Wirksamkeit zugrunde liegen. Eine empirische Studie im ostindischen Odisha legte einen interessanten konfessionellen Konkurrenzkampf einer ehemaligen lutherischen Missionskirche mit verschiedenen pentekostalen (pfingstkirchlichen) Gemeinschaften und Kirchen frei. Welche Rolle die religiöse Autorität darin spielt, wie und unter welchen Bedingungen sie entsteht, sich trägt und zu gesellschaftlichen Transformationen genutzt wird, das wird sich anhand jenes südostasiatischen Beispiels zeigen lassen können. Die Daten wurden 2018 und 2019 über teilnehmende Beobachtung, Feldstudien und Interviews in einer Langzeitstudie vor Ort erhoben. Die theologische Ethnographie entsteht im Rahmen des DFG geförderten SFB 1070 RessourcenKulturen an der Universität Tübingen. Seit 01. Juli 2021 wird das Dissertationsprojekt im Rahmen eines Stipendiums der Lutherstiftung der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau weiterverfolgt.

 

 
Die populäre Predigt. Homiletik im Popularitätsdiskurs um 1800 (Arbeitstitel)
Dissertationsprojekt durchgeführt von Hanna Miethner

In der Homiletik um 1800 stellt sich mit steigender Frequenz die Frage, wie dem ‚Volk‘ zu predigen sei. Ansätze zu ihrer Beantwortung firmieren unter dem Begriff der Popularität. Konkret steht hinter dem Konzept der Anspruch, das Wissen der Aufklärung gemeinverständlich zu vermitteln und breit zu streuen. Entsprechende Rollen werden einerseits professionalisiert (Pfarrerstand), andererseits konstruiert (Landmann). Die Predigt steht damit in Zusammenhang mit anderen (Klein-)Formen der Wissensvermittlung und -popularisierung ähnlicher Zielrichtung: In der Pädagogik, der beginnenden Volkskunde wie der Gebrauchs- und Unterhaltungsliteratur um 1800 kommt ‚das Volk‘ in den Blick und Einfachheit wird zum Formkriterium. Dass ‚Popularität‘ und ‚Volk‘ begriffsgeschichtlich nicht konstant sind, ist die Ausgangsthese dieser Arbeit; die Predigt in Zusammenschau mit anderen populären Formen der Wissensvermittlung zu bringen, eine ihrer Aufgaben.

Mit dem Projekt ist Hanna Miethner assoziiert am Graduiertenkolleg "Literatur- und Wissensgeschichte Kleiner Formen". 

 

 


 

Soziokulturelle und theologische Dynamiken in Predigten persischsprachiger Gemeinden
Promotionsprojekt durchgeführt von Luisa-Theres Sinate

Beschreibung folgt.

 


 

"Die heutige Predigt muß sociale Predigt werden" – Die soziale Frage als homiletische Herausforderung im ausgehenden 19. Jahrhundert (Arbeitstitel)
Promotionsprojekt durchgeführt von Amrei Kempendorf, Repetentin am Tübinger Stift

Beschreibung folgt.