Prof. Dr. Hans-Martin Schenke

Prof. Dr. Hans-Martin Schenke

 

Der Berliner Neutestamentler, Gnosisforscher und Koptologe Hans-Martin Schenke wurde am 25. April 1929 in Oschersleben an der Bode geboren. Zu seinen Schulkameraden im sachsen-anhaltinischen Oschersleben gehörte auch der spätere Leipziger Neutestamentler Wolfgang Wiefel. Den größten Teil seines Lebens verbrachte er in Berlin, wo er am 4. September 2002 auch gestorben ist. Er liegt auf dem Georgen-Parochial-Friedhof in Berlin-Prenzlauer Berg, gegenüber der Bartholomäus-Kirche, begraben.

 

Seit 1950 studierte Hans-Martin Schenke an der Berliner Humboldt-Universität Theologie. 1956 promovierte er im Fach Neues Testament mit einer Arbeit über das Verhältnis von Indikativ und Imperativ bei Paulus und hatte anschließend bis 1960 eine Habilitationsaspirantur inne. Neben der Arbeit an der theologischen Habilitation (abgeschlossen 1960 mit einer Arbeit über das Thema „Der Gott ‚Mensch‘ in der Gnosis“ studierte er bei Fritz Hintze Ägyptologie und schloss dieses Studium – parallel zur Arbeit an seiner theologischen Habilitationsschrift – 1960 mit einer Promotion zum Dr. phil. ab. Die Promotionsschrift behandelte „Das Orakelwesen im Alten Ägypten“. Eine entscheidende Weichenstellung für seinen wissenschaftlichen Werdegang war der allmählich möglich werdende Zugang zu den Schriften des Nag Hammadi-Fundes vom Dezember 1945. Der Humboldt-Universität blieb er – nach seiner Habilitation – als Dozent (1960-1964), Professor mit Lehrauftrag (1964-1966), Professor mit vollem Lehrauftrag (1966-1969) und schließlich als ordentlicher Professor bis zu seiner Emeritierung 1994 erhalten.

 

Die größte Breitenwirkung erzielte Hans-Martin Schenke zweifellos durch die Etablierung des Berliner Arbeitskreises für koptisch-gnostische Schriften um das Jahr 1972 herum. Der Berliner Arbeitskreis erfüllte vor allem drei Aufgaben. Ab 1973 gab der Berliner Arbeitskreis deutsche Übersetzungen von wichtigen Nag Hammadi-Texten heraus. Aus den Übersetzungen entwickelte sich als zweite Aufgabe des Berliner Arbeitskreises ganz natürlich die zweite Aufgabe, das Langzeitvorhaben einer „Nag Hammadi Deutsch“ genannten Gesamtübersetzung der Texte des Nag Hammadi-Fundes. Schließlich entstanden aus der Arbeit des Berliner Arbeitskreises heraus etliche kommentierte Textausgaben von Nag Hammadi-Texten, meist als Doktorarbeiten der Mitglieder unter Anleitung Hans-Martin Schenkes, die in der Reihe „Texte und Untersuchungen“ erschienen und so Berlin als drittes Zentrum der Nag Hammadi-Forschung neben Claremont und Québec etablierten.

Uwe-Karsten Plisch

 

Biographisches

 

  • NAGEL, Peter, Ein Glückwunsch für Hans-Martin Schenke, in: BELTZ 1994, 6-11.
  • BETHGE, Hans-Gebhard, Hans-Martin Schenke – Lehrer, Forscher, Freund, in: BETHGE / EMMEL / KING / SCHLETTERER 2002, 13-25.
  • COLPE, Carsten, „Vertraulich – Verborgen – Verboten – Verraten“: Zur Psychologie der Geheimhaltung und der Erforschung „apokrypher“ Schriften, in: BETHGE / EMMEL / KING / SCHLETTERER 2002, 27-46.
  • FUNK, Wolf-Peter, Hans-Martin Schenke. 25. April 1929 – 4. September 2002. Nachruf, in: Enchoria 28, 2002/2003, 1-6 (mit einer Tafel).
  • PLISCH, Uwe-Karsten, Beerdigungspredigt auf der Trauerfeier für Hans-Martin Schenke, in: W. BELTZ (Hg.), Die koptische Kirche in den ersten drei islamischen Jahrhunderten (Hallesche Beiträge zur Orientwissenschaft 36/2003), 5-9.
  • –, [Kurzbiographie] Hans-Martin Schenke (1929-2002), in: P. Bukovec (Hg.), Christlicher Orient im Porträt – Wissenschaftsgeschichte des Christlichen Orients, Teilband 2 (RVO 3), Hamburg 2014, 1085-1095.
  • SCHÜSSLER, Karlheinz, Hans-Martin Schenke. Nachruf (JCoptSt 5/2003), 1-15.
  • Hans-Martin Schenke – Mensch und Berufung, in: SCHENKE ROBINSON et al. 2012, S. XXIX-XXXV.

 

Festschriften

 

  • BELTZ, Walter (Hg.), Der Gottesspruch in der koptischen Literatur. Hans-Martin Schenke zum 65. Geburtstag (Hallesche Beiträge zur Orientwissenschaft 15/1994).
  • BETHGE, H.-G. / EMMEL, S. / KING, K. / SCHLETTERER, I. (Hgg.), For the Children, Perfect Instruction. Studies in Honor of Hans-Martin Schenke on the Occasion of the Berliner Arbeitskreis für Koptisch-Gnostische Schriften‘s Thirtieth Year (NHMS 54), Leiden 2002.


Werke (in Auswahl)

 

  • Bibliographien der Werke Hans-Martin Schenkes finden sich in BELTZ 1994, BETHGE et al. 2002, SCHÜSSLER 2003 und SCHENKE ROBINSON et al. 2012.
  • Hans-Martin Schenkes Kleine Schriften finden sich nahezu vollständig  nebst Rezensionen in großer Auswahl in SCHENKE ROBINSON et al. 2012.
  • SCHENKE, Hans-Martin, Der Gott ‚Mensch‘ in der Gnosis. Ein religionsgeschichtlicher Beitrag zur Diskussion über die paulinische Anschauung von der Kirche als Leib Christi, Berlin und Göttingen 1962.
  • SCHENKE, Hans-Martin / FISCHER, Karl Martin, Einleitung in die Schriften des Neuen Testaments, Bd. 1: Die Briefe des Paulus. Schriften des Paulinismus, Berlin u. Gütersloh 1978, Bd. 2: Die Evangelien und die anderen neutestamentlichen Schriften, Berlin u. Gütersloh 1979.
  • SCHENKE, Hans-Martin, Das Matthäus-Evangelium im mittelägyptischen Dialekt des Koptischen (Codex Scheide), (TU 127), Berlin 1981.
  • SCHENKE, Hans-Martin, Das Thomas-Buch (Nag-Hammadi-Codex II,7). Neu herausgegeben, übersetzt und erklärt (TU 138), Berlin 1989.
  • SCHENKE, Hans-Martin, Das Philippus-Evangelium (Nag-Hammadi-Codex II,3). Neu herausgegeben, übersetzt und erklärt (TU 143), Berlin 1997.
  • SCHENKE, Hans-Martin, Apostelgeschichte 1,1–15,3 im mittelägyptischen Dialekt des Koptischen (Codex Glazier), (TU 137), Berlin 1991.
  • SCHENKE, Hans-Martin, Das Matthäus-Evangelium im mittelägyptischen Dialekt des Koptischen (Codex Schøyen), (Manuscripts in the Schøyen Collection I), Oslo 2001.
  • SCHENKE, Hans-Martin / BETHGE, Hans-Gebhard / KAISER, Ursula Ulrike (Hgg.), Nag Hammadi Deutsch. 1. Band: NHC I,1 – V,1. Koptisch-Gnostische Schriften II (GCS NF 8), Berlin, 2001.
  • SCHENKE, Hans-Martin / BETHGE, Hans-Gebhard / KAISER, Ursula Ulrike (Hgg.), Nag Hammadi Deutsch. 2. Band: NHC V,2 – XIII,1, BG 1 und 4. Koptisch-Gnostische Schriften III (GCS NF 12), Berlin 2003.
  • SCHENKE, Hans-Martin (in Zus. m. R. Kasser), Papyrus Michigan 3520 und 6868(a). Ecclesiastes, Erster Johannesbrief und Zweiter Petrusbrief im fayumischen Dialekt (TU 151), Berlin 2003.
  • SCHENKE, Hans-Martin / BETHGE, Hans-Gebhard / KAISER, Ursula Ulrike (Hgg.), Nag Hammadi Deutsch. Studienausgabe [in einem Band], Berlin 2007, 22010.
  • SCHENKE ROBINSON, Gesine / SCHENKE, Gesa / PLISCH, Uwe-Karsten (Hgg.), Der Same Seths. Hans-Martin Schenkes Kleine Schriften zu Gnosis, Koptologie und Neuem Testament (NHMS 78), Leiden/Boston 2012.

 

Ausführliche Biographie und Literaturverzeichnis von Hans-Martin Schenke (Uwe-Karsten Plisch)