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Humboldt-Universität zu Berlin - Berliner Theologische Zeitschrift (BThZ)

34. Jahrgang, Heft 2/2017

 

Seele

 

Das Thema ‚Seele‘ ist vernachlässigt und hat zugleich Konjunktur. In der deutschsprachigen Diskussion taucht es als eine Art Gegenstandsbereich ebenso auf wie als Problem. Aus einer theologischen Perspektive ist zunächst an die Seelsorge und an die biblische Exegese zu denken. Auch in der Systematischen Theologie ist das Interesse an diesem Thema nach langem Schweigen neu erwacht. Das kann auch für die Historische Theologie, insbesondere für die Aufklärungsforschung, in Anschlag gebracht werden, auch wenn das Seelen-Thema seit jeher stärker in Philosophiegeschichte und Literaturwissenschaft behandelt worden ist. Ob überhaupt irgendwelche und wenn ja welche Implikationen eines positiven Seelenverständnisses in Rede stehen sollten ist - nicht nur konfessionell - umstritten. Wie verhalten sich die Debatten in Medizin und Neurowissenschaften zu diesem Thema? Neben (und teilweise in) diesen Debatten finden sich Formen alternativer Eschatologie in religiöser oder weltanschaulicher Hinsicht, aber auch im Grenzbereich und Zusammenspiel von (Tiefen-) Psychologie und Esoterik. Die einstige Position des Seelen-Themas als ‚Zentraldogma der Aufklärung‘ (Carl Stange, 1925) oder als ebenso zentraler Bündelungspunkt der Renaissancephilosophie scheint dennoch in einem unausgewogenen Verhältnis zu seiner Rolle in den heutigen Debatten stehen. Das Heft widmet sich dem Thema ‚Seele‘ als ‚Gegenstandsbereich‘ und als ‚Problem‘. Mit diesen beiden Annäherungen werden Zugänge aufgezeigt, die zwischen Konjunktur, Verschwinden und Umcodieren des Themas ‚Seele‘ changieren. Es birgt Hypotheken, aufholbare Defizite und Perspektiven für die aktuelle theologische Debatte.