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Humboldt-Universität zu Berlin - Berliner Theologische Zeitschrift (BThZ)

30. Jahrgang, Heft 1/2013

Anfänge und Ursprünge der Jahwe-Verehrung


HENRIK PFEIFFER
Die Herkunft Jahwes und ihre Zeugen

Die Vermutung einer Herkunft Jahwes aus den südpalästinischen oder nordwest-arabischen Randzonen des Kulturlandes hält einer kritischen Prüfung der einschlägigen biblischen und außerbiblischen Zeugnisse nicht stand. Religionshistorisch wird die Jahweverehrung erstmals in jenen Zeugnissen greifbar, die ihn als Dynastie-, Staats- und Wettergott im Kulturland zeichnen.

That Yahweh originated from the southern Palestinian or north-western Arabian peripheral areas of the cultivated land is a conjecture that cannot be sustained under the critical examination of respective biblical and extrabiblical witnesses. From a religio-historical perspective, the worship of Yahweh manifested itself for the first time in those sources which depict him as a national weather god in the cultivated land.


MANFRED KREBERNIK
Die Anfänge des Jahwe-Glaubens aus altorientalistischer Perspektive

Der Beitrag rückt die Frage nach dem Ursprung des Jahwe-Glaubens in den allgemeinen und breiten Horizont keilschriftlicher Quellen. Diese scheinen – wenn auch im Wesentlichen durch ihr Schweigen – Jahwes Herkunft aus dem außerhalb des keilschriftlichen Radius gelegenen Süden zu bestätigen.

The article places the question of Jahwe’s origination in the wide and general context of cuneiform sources. Although essentially by their silence, these sources confirm that Jahwe, beyond the reach of cuneiform documentation, originated in the south.


CHRISTOPH BERNER
„Mein Gott von Ägypten her“ (Hos 13,4) - Der Exodus als Ursprungsdatum der Jahwe-Verehrung Israels?

Das biblische Bild, demzufolge die Jahwe-Verehrung Israels ihren Ursprung im Auszug aus Ägypten hat, lässt sich auf historischer Ebene nicht verifizieren. Es handelt sich vielmehr um ein theologisches Konstrukt aus nachköniglicher Zeit, das auf eine heilsgeschichtliche Neubegründung von Israels Jahwe-Verhältnis zielt. Das Konzept ist erstmals in der vorpriesterschriftlichen Exoduserzählung aus dem 7. Jh. v. Chr. nachweisbar und sollte die weitere alttestamentliche Literaturgeschichte maßgeblich prägen.

The biblical picture according to which Israel’s worship of Yahwe originated with the Exodus from Egyst cannot be verified on a historical level. Rather, we are dealing with a theological construct from the post-monarchic period which aims at establishing a new salvaltion-historical foundation for Israel’s relationship with Yahwe. The concept is first attested in the pre-Priestly Exodus narrative (7th cent. BCE) and should develop a considerable impact on the later history of Old Testament literature.


REINHARD MÜLLER
Die frühe Jahweverehrung im Spiegel der ältesten Psalmen

Das Gottesbild, das in den ältesten Psalmen enthalten ist, hat zwei Hauptaspekte: Die Texte zeichnen einen Gott, der im Gewitter erscheint (Ps 18; 29; 77; 97) und als göttlicher König über die Erde herrscht (Ps 24; 29; 36; 48; 85; 93; 97; 98). In beiden Aspekten ist der frühe Jahwe mit königlichen Wettergöttern aus den altorientalischen Nachbarkulturen verwandt; durch seinen göttlichen Namen jedoch unterscheidet er sich von ihnen (Ps 24; 29).

The image of God that is contained in the oldest Psalms has two main aspects: The texts depict a god who appears in the thunderstorm (Ps 18; 29; 77; 97) and who rules the earth as the divine king (Ps 24; 29; 36; 48; 85; 93; 97; 98). In both aspects, Yahweh is related to kingly weather gods of the neighbouring cultures of the Ancient Near East; however, it is through his divine name that he differs from them (Ps 24; 29).


FARIED ADROM/MATTHIAS MÜLLER
Das Tetragramm in ägyptischen Quellen - eine Bestandsaufnahme

Der vorliegende Aufsatz untersucht die ägyptischen Wiedergaben von Toponymen in Israel/Palästina, die entweder direkt mit dem Tetragramm oder mit dessen angeblicher Verortung im Süden Israel/Palästinas in Verbindung gebracht wurden. Während die Identifikation der ägyptischen Wiedergabe Y-h-w mit dem Tetragramm durchaus möglich scheint, sind die ägyptischen Belege in keiner Weise aussagekräftig im Hinblick auf dessen Verortung im Süden.

The present paper examines Egyptian writings of toponyms presumably in Israel/Palestine which have been connected with the Tetragrammaton or to a possible southern origin of the God of the Israelites. While the Egyptian Y-h-w may indeed be connected to the Tetragrammaton, nothing in the Egyptian data proves itself of any value with relation to the place of origin of the deity in question.


ANGELIKA BERLEJUNG
Die Anfänge und Ursprünge der Jahweverehrung: Der ikonographische Befund

Die Anfänge der Jahweverehrung in der Eisenzeit I/IIA haben im ikonographischen Befund Palästinas keine für den heutigen Betrachter sichtbare Spuren hinterlassen. Das Weiterleben alter und die Ausgestaltung einiger neuer Motive, die allerdings nicht mit Sicherheit mit Jahwe in Zusammenhang gebracht werden können, sprechen dafür, dass sowohl Kontinuitäten als auch Wandlungen diese Epochen prägen, in denen die Stämme und Stammesverbünde Palästinas der dynamisch-kämpferischen Gottheit Jahwe folgten, die zur höchsten Gottheit der späteren Staaten Israel und Juda aufstieg. Verschiedene Möglichkeiten ihrer ikonischen Repräsentationen im Kulturland sind denkbar (anthropomorph, bovin, symbolisch/solar, Massebe), doch wären dieselben alle aus der traditionellen und autochthonen palästinischen Tradition auf Jahwe übertragen worden, der keine (für uns erkennbare) spezifische eindeutige Ikonographie mitbrachte oder entwickelte. Auch regionale Differenzierungen des anfänglichen Polyyahwismus sind möglich, so dass regionale Jahwe-Gestalten verschieden ausgesehen haben können. Dies muss ebenso wie die alttestamentlich belegte Bildlosigkeit Jahwes „von Hause aus“ hypothetisch bleiben. Die Ikonographie kann hier nicht weiterhelfen, da die Korrelation von den biblischen Textquellen umstrittener Datierung mit den in Bildquellen bezeugten Gottheiten des eisenzeitlichen Palästina (dies betrifft neben Jahwe auch Aschera, Milkom, Kemosch, Dagon u. a.) nicht eindeutig zu leisten ist.

The beginnings of the worship of Yahweh in the Iron Age I/IIA have left no visible mark for today’s viewer of the iconographic evidence of Palestine. The continuity of the old and the configuration of new motifs cannot be certainly connected with Yahweh. However, these motifs, old and new, suggest that both continuities and changes characterize the periods in which the tribes and tribal groups of Palestine followed the dynamic combative deity Yahweh, who ascended to the highest deity of the later states Israel and Judah. Different iconic representations of Yahwe in Palestine/Israel are possible (anthropomorphic, bull-shaped, symbolic/solar, standing stones), but they are all rooted in the traditional indigenous Palestinian tradition. Yahweh himself brought with him no (discernible to us) specifically unique iconography, and also did not develop any during his rise. Due to possible regional differentiations of initial poly-yahwisms, regional Yahweh-figures may, logically, also have looked different. This has to remain just as hypothetical as the aniconic Yahweh “from his origins” documented in the Old Testament texts of considerable later date only. Unfortunately the iconography cannot further help to decide this, as the correlation of the biblical text sources of controversial dating with the iconically attested deities of Iron Age Palestine (this applies also to Ashera, Milkom, Chemosh, Dagon and others in addition to Yahweh) cannot be carried out without reservations.


FRIEDHELM HARTENSTEIN
Die Anfänge JHWHs und die „Sehnsucht nach dem Ursprung“. Eine geschichtshermeneutische Problemanzeige

Der Beitrag fragt geschichtshermeneutisch nach dem Status der Rückfrage nach den „Anfängen“ JHWHs und Israels für die alttestamentliche Wissenschaft. Dass diese Anfänge trotz minimaler Quellenbestände in Darstellungen der (Religions-)Geschichte Israels im 19. und 20. Jahrhundert eine so große Rolle spielen, liegt zuletzt in der unabweisbaren Bedeutung der Anfänge für Glaube und Theologie im Christentum begründet.

The article examines the importance of the “beginnings” of YHWH and of Israel for the Old Testament Exegesis. Hermeneutics of history helps to consider the significance of the quest for the “beginnings”. That these “beginnings” still play such a big role, despite the minimal amount of sources on the representation of the religious history of Israel in the 19th and 20th centuries, seems to be due to the emphasis on “firsts” in Christian faith and theology.