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Humboldt-Universität zu Berlin - Berliner Theologische Zeitschrift (BThZ)

28. Jahrgang, Heft 2/2011

Das Kirchenlied zwischen Sprache, Musik und Religion


GUNTER KENNEL
Hymnologische Spuren im Neuen Testament

Eine eigenständige Musizier- und Singepraxis der Christenheit zu neutestamentlicher Zeit lässt sich nicht detailliert rekonstruieren. Die Partizipation am Musikgebrauch ihrer Umwelt darf aber bei den ersten christlichen Gemeinden vorausgesetzt werden. Ein eigener, christlicher „Liederkanon“ hatte sich offenbar noch nicht herausgebildet. Vielmehr könnte es in der Frühzeit christlichen Singens eine Singe- und Rezitationspraxis gegeben haben, die sich improvisierender Techniken unter Verwendung traditioneller und formelhafter Elemente (z. B. aus der Psalmensprache oder der christologischen Bekenntnisbildung) bediente.

We cannot reconstruct details of specific early Christian musical practices in the time of the NT. But we can presuppose that the early Christian congregations participated in the use of music of their environment. A specific “canon” of songs was obviously not yet established. There could rather have existed a practice of singing or recitation, in which traditional elements and formulas were put together into patterns of an improvising technique.


CHRISTOPH MARKSCHIES
Die Herausbildung des christlichen Liedes im Kontext der antiken Musik- und Religionspraxis

Der Artikel behandelt drei Fragen: (1) In welchen liturgischen und Alltagszusammenhängen wurden von antiken Christen Hymnen gesungen? (2) Welche Wirkungen hatten solche Hymnen? (3) Welche Zusammenhänge bestanden zwischen antikem paganen und christlichen Hymnensingen? Um diese Fragen zu beantworten, werden zunächst einige Definitionen des Terminus „Hymnus“ diskutiert, dann einige bekanntere Passagen über das antike christliche Hymnensingen behandelt (z. B. der Brief des Plinius an Trajan, der Bericht des Ambrosius über die ‚Erfindung‘ des liturgischen Singens als Widerstandshandlung gegen die kaiserliche Kirchenpolitik) und schließlich auch einige weniger bekannte Beispiele antiker christlicher Hymnodik besprochen, wie beispielsweise der beeindruckende Abecedarius, der in einem Papyrus aus Barcelona/Montserrat erhalten ist. Zum Schluss werden die Ergebnisse zu Einsichten des geehrten Jürgen Henkys in Beziehung gesetzt.

The article deals with three questions: (1) In which liturgical and also everyday contexts Ancient Christians used to sing hymns? (2) Which effects where caused by such hymns? And (3) In which kind of relation the Christian way of singing such hymns was related to the pagan way? To answer these questions some definitions of a hymn are discussed, some of the well-known passages about early Christian hymn-singing (for example: Pliny's epistle to the Emperor Trajan, Ambrose of Milan's account on the invention of liturgical hymn-singing as attempt to resist the Emperor's Church Policy), but also some more or less neglected examples of Early Christian Hymnody like the famous Abecedarius that is preserved in a papyrus of Barcelona/Montserrat. In the concluding paragraph the results are related to some insights of the laureate, Jürgen Henkys.


DOROTHEA WENDEBOURG
Martin Luther und das Kirchenlied im lutherischen Protestantismus

Der Artikel „Martin Luther und das Kirchenlied im lutherischen Protestantismus“ erörtert zunächst den historischen Ort des Wittenberger Gemeindeliedes sowie seinen neuen liturgischen Status als integraler Bestandteil der Messe und behandelt dann seine drei Dimensionen als Gesang, als medium salutis und als nota ecclesiae.

The article “Martin Luther and the Hymn in Lutheran Protestantism” describes the origin of the vernacular Lutheran hymn in the context of the Wittenberg Reformation and its new liturgical status as an integral part of the mass; it considers the dimensions of the hymn as vocal music (song), as a means of grace, and as a mark of the church.


JAN ROHLS
Der Genfer Psalter und das Liedschaffen im reformierten Protestantismus

Calvin führt den Psalmengesang in Genf ein, um den dortigen bisher musiklosen Gottesdienst durch eine biblisch legitimierte, erhabene Musik zu bereichern. Damit legt er die Grundlage für die Entstehung des gereimten „Genfer Psalters“, der in der Übersetzung von Lobwasser auch in den reformierten Kirchen Deutschlands heimisch wird und bis ca. 1800 in Gebrauch ist.

Calvin introduced the singing of psalms in Geneva in order to enrich the service which was supposed to be without music by a biblical orientated and sublime music. Thereby Calvin provides the basis for the development of the “Genfer Psalter“ in rhymes which also became widely accepted by the translation of Lobwasser in the reformed churches in Germany until 1800.


EVERT JONKER
Singen und Liedübertragungen als ökumenischer Impuls Jürgen Henkys als homo oecumenicus zum 80. Geburtstag

In seinen Liedübertragungen erweist Jürgen Henkys sich als homo oecumenicus. Dieser Artikel analysiert das Singen des Kirchenliedes seiner Auffassung nach und die Charakteristika seiner ökumenischen Einstellung: eine pastoral-musikalische Haltung, gut zuhören, eine Theologie des Geistes, die Grenzen überschreitet, sich in nächste Nähe der Perspektive der fremden Anderen wagen, Erneuerung im Übersetzen nicht fürchten, neue Wege der Kultur suchen und neue Themen artikulieren.

This article analyses the meaning of singing of Christian hymns according to the homo oecumenicus, Jürgen Henkys, and the characteristics of his ecumenical capacities: a pastoral-musical attitude, good listening, developing a theology of the boundaries transcending Holy Spirit, risking to be very near to the perspective of a strange other, finding fresh meanings, looking for new cultural forms and articulating new themes.


JOHANN CILLIERS
Das Klingen des Lebens. Liedübertragungen als Transfer religiöser Kulturpraxis

Ausgangspunkt dieser Abhandlung ist die dynamische Vernetzung von Kultur und Religion und deshalb auch zwischen Kultur und Hymnologie. Diese Vernetzung kann als gegenseitige und akustische Übersetzbarkeit beschrieben werden. Drei afrikanische Fallstudien werden als Beispiele vorgestellt, und zwar aus Malawi, Zimbabwe und Südafrika. Abschließend werden gewisse Dimensionen der Hymnologie als fides quaerens sonum (Glaube, der seinen Klang sucht) kurz zusammengefasst.

This paper takes as point of departure the dynamic interconnectedness between culture and religion, and therefore also between culture and hymnology. This interconnectedness is described as reciprocal and acoustical translatability. Three African case studies are introduced to exemplify this, namely from Malawi, Zimbabwe, and South Africa. In conclusion certain dimensions of hymnology as fides quaerens sonum (faith seeking sound) are briefly summarized.


PETER BUBMANN
Das Kirchenlied als Medium christlich-religiöser Bildung und der Lebenskunst

Das Singen und Hören von Kirchenliedern birgt enorme Chancen religiöser Bildung. Denn hier kann sich die Selbst- und Gotteswahrnehmung ausbilden. Identität wird erfahrbar und zugleich überschritten. Einzelne, Gemeinden, Liturgen wie Kirchenmusikerinnen sowie akademisch Lehrende können daher von der Beschäftigung mit Kirchenliedern nur profitieren: Grundbewegungen des Glaubens werden deutlich, und Liturgie lässt sich leichter begreifen. Lieder werden zeitenübergreifend zur Sprachschule des eigenen wie fremden Glaubens.

Singing and listening to religious hymns and chants are very helpful for education and religious self-development. Singing it is possible to make new experiences of god and one’s own personality. Therefore, all people and communities, all who are responsible for liturgies may derive advantage from dealing with hymns. In singing hymns the basic movements of faith and the structure of liturgy are made accessible. Facing the texts and melodies of hymns Christians encounter the past, the presence and the future of their religion.


HERMANN KURZKE/CHRISTIANE SCHÄFER
Philologie, Hymnologie und Mythologie. Über Marienlieder. Ein Entwurf

An drei Marienliedern (Maria, breit den Mantel aus – Maria zu lieben – Wunderschön prächtige) werden methodische Grundsatzfragen der Kirchenliedforschung durchdekliniert.

This essay deals with the main principle methodical questions of hymnology by analyzing three of the so-called Marienlieder (Maria, breit den Mantel aus – Maria zu lieben – Wunderschön prächtige), those hymns dedicated to the Virgin Mary.


WILHELM GRÄB
Musik und Religion heute

Musik ist ein Medium ästhetischer und damit religiöser Erfahrung, weil sie der vorsprachlichen Struktur des Gefühlsausdrucks entspricht. Musik – so F. D. E. Schleiermacher – ist wie andere Formen darstellender Kunst unverzichtbar für den Gottesdienst, weil sie die inhaltliche und die formale Dimension religiöser Erfahrung verknüpft. In der Postmoderne tritt die Form in den Vordergrund, sowie die nicht mehr integrierbare Frage nach dem Sinn.

Music is a medium of aesthetic and therefore religious experience as it corresponds to the non-linguistic structure of emotional expression. As F. D. E. Schleiermacher points out, music – and the performing arts in general – combine form and content of religious experience and are therefore indispensable in any liturgy. In postmodern religious experience the variety of form is gaining importance, as well as the ever-open quest for meaning.


RALF MEISTER
Predigt zum 80. Geburtstag von Jürgen Henkys am 8. November 2009


Reden anlässlich der Verleihung des Karl-Barth-Preises


CHRISTIANE TIETZ
Barth lesen in den USA. Laudatio anlässlich der Verleihung des Karl-Barth-Preises 2010 an Prof. Dr. George Hunsinger


GEORGE HUNSINGER
Karl Barth and Human Rights