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Humboldt-Universität zu Berlin - Berliner Theologische Zeitschrift (BThZ)

24. Jahrgang, Heft 1/2007

Kulturkontakt


KLAUS HOCK
Kulturkontakt und interreligiöse Transkulturation. Religionswissenschaftliche und missionswissenschaftliche Perspektiven

Die Diskussion über Transkulturation und Religionskontakt hat eine ganz praktische, konkrete Ebene: in der Mission und in der öffentlichen Wahrnehmung religiös motivierter Konflikte. Es zeigt sich dabei, dass eine unreflektierte Überführung religionswissenschaftlicher bzw. theologischer in kulturwissenschaftliche Diskurse ohne Bezugnahme auf die zentralen Kategorien „Religion“ und „Kultur“ problematisch ist. Die Beziehung zwischen Religion und Kultur muss als Variable gesehen werden: Wie Kultur, so ist auch Religion nicht in essentialistischen Kategorien zu beschreiben. Eine solche Verhältnisbestimmung muss auch das Phänomen des „Religionskontakts“ im Blick haben (Konvergenz, Translation, Synoikismus, Synkretismus). Im Mittelpunkt des interdisziplinären Graduiertenkollegs „Kulturkontakt und Wissenschaftsdiskurs“ der Universität Rostock stehen die Dimensionen „Raum“, „Zeit“, „Kontext“, „Performanz“ und „Repräsentation“.

The discussion about transculturation and inter-religious encounters has consequences on a practical and tangible level, namely: in the areas of mission and in the public perception of religiously motivated conflicts. It goes without saying that it is highly problematic to transfer discourses from the fields of theology or the study of religions into the field of cultural studies without reflecting on the notions of “religion” and “culture”. Thereby, the relation between religion and culture is a variable, and like culture, religion cannot be depicted in essentialist categories. By dealing with the relation between culture and religion, we must also pay attention to the phenomenon of “religious encounters”. In view of these questions, the Research Training Group on “Cultural Encounters and the Discourses of Scholarship” at the University of Rostock focuses on the dimensions of “space”, “time”, “context”, “performance”, and “representation”.


THOMAS KLIE
Vom Kirchenjahr und seinen Hybridbildungen

Das Kirchenjahr rhythmisiert als symbolisches Konstrukt unterschiedliche Zeit- und Festkreise und deutet so individuelles Zeiterleben. Anhalt und Struktur ergeben sich über seine Fixpunkte, die Feste und die ihnen zugeordneten Festzeiten. Die neuen Feste (Valentinstag, Halloween usw.) erweitern das Kirchenjahr und gestalten es deutungsoffener. Die Frage, ob diese Erweiterung ein Signum für die Religionsproduktivität der späten Moderne ist oder ein Anzeichen einer zunehmenden Erosion christlicher Deutungskultur wird im Kontext einer Festtheorie erörtert.

The ecclesiastical year as a symbolic construct divides different time- and festival circles. So it interprets individual “time-experience”. Fixed points, festivals and times, which belong to them, show its structure. New festivals like Valentine’s Day and Halloween enlarge the ecclesiastical year and open it for a more distinguishing interpretation. The question, if this enlargement is a signum for the “pomo religious productivity” or an indication of an increasing erosion of the christian “interpretationculture” will be discussed in the context of a “festival theory“.


ANNE STEINMEIER
Ethik ins Werk. Eine praktisch-theologische Annäherung an Thomas Lehnerer (1955–1995)

Der Aufsatz versucht ein Gespräch mit dem Theologen und Künstler Thomas Lehnerer zu führen. Seine Künstlertheorie wird dargestellt und in ihrem Modellcharakter für die homiletische Werkstatt und eine Kultur der Seelsorge erfragt.

The essay is a dialogue with the theologian and free-lance artist Thomas Lehnerer. His “method of art” is described. His artistic communication may act as a model for preaching workshops and cultural pastoral counseling.


VERA CHRISTINA PABST
Danken – Gedenken – Trauern?

Fast alle Institute für Anatomie hielten im Jahr 2004 im Zusammenhang mit dem „Präparierkus“ des Medizinstudiums eine feierliche Veranstaltung ab. Diese Kasualie wird mit Hilfe von Umfrageergebnissen beschrieben und ihre Bedeutung für die betroffenen Personen – Körperspender, Angehörige, Institutsmitarbeiter und Studierende – als signifikantes Ritual in einer Schwellensituation diskutiert.

All but one Department of Human Anatomy in Germany conducts a ceremony at the end of the dissection course. This ceremony is described on the basis of the results of a survey of departments of Anatomy. Then its relevance as a significant ritual for all the people involved and effected – such as the body donors, their relatives, the teachers of human anatomy and their students – is discussed.


KLAUS-DIETER KAISER
Zwischen Traditionsbewahrung und Aufbruch. Zum Verhältnis von Kirche und Kultur im Osten Deutschlands

Kultur spielte in den Kirchen in der DDR eine große Rolle, zog Menschen auch außerhalb der Kirche an und war dabei wie auch im Westen Deutschlands von einer Pluralität der kulturellen Stile bestimmt. Die Besonderheiten ergaben sich aus dem SED-Diktatur geschuldeten Situation eines Kulturkampfes. Deshalb waren die kulturellen Lebensäußerungen der Kirche am Bewahren des bildungsbürgerlichen Milieus interessiert, eröffneten politische Freiräume und verstanden sich als Bildung.

Culture played in GDR’s church a great role, attracted people standing outside the church and was – like in Western Germany – dominated by a pluralism of cultural styles. The peculiarity results from a situation of a culture-conflict, caused of the SED’s dictatorship. Because of that the church’s statements of life were interested in preservation of the educated bourgeois-background, opened political spaces and understood themselves as education.


ULRIKE SCHÄFER-STRECKENBACH
„Hier bin ich Gott näher.“ Von den architektonischen Möglichkeiten der Kirche

Es gibt Kirchengebäude, die im Rahmen von „Kulturkirchen“-Projekten nicht mehr oder nicht mehr ausschließlich gottesdienstlich genutzt werden. Indem dieses Phänomen als ein kommunikatives untersucht wird, lassen sich die gottesdienstlichen und nicht-gottesdienstlichen Interpretationsmöglichkeiten fundamental vergleichend sowohl je für sich als auch in ihren Beziehungen zueinander beschreiben. Die hodologische Codierung erweist sich dabei als ein Metacode, dessen Analyse die Komplexität derartiger Gestaltungs- und Nutzungsprozesse erschließt.

There are churches, which in context of “Kulturkirchen”-projects are not or no longer exclusively arranged or used for church service. As this phenomenon is analysed in terms of communication, the opportunities for an interpretation in a churchly or nonchurchly sense could be described, fundamentally compared either on its own or in relation to each other. In this case the hodological code proves to be a metacode, whose analysis explains the complexity of such processes of arrangement and use.


Visitationen


CHRISTHARD-GEORG NEUBERT
Künstlerische Interventionen in Kirchen. Schwellenräume zwischen Religion und Kunst

Evangelische Kirchenräume sind traditionell Schwellenräume zwischen Kunst und Religion. In der Reformationszeit erwuchsen die künstlerischen und theologischen Maßstäbe für dauerhaft in Kirchen aufgestellte Kunstwerke. Diese Maßstäbe gilt es neu zu entdecken und weiterzuentwickeln. Dafür bedarf es geeigneter Institutionen, die einen auf Dauer gestellten Dialog der Kirche mit den Künsten pflegen und den dabei erzielten Kompetenzgewinn umsetzen. Künstlerische Interventionen, die Kunstwerke temporäre in Kirchenräume einstellen, schärfen die Sinne für das Mögliche und Nötige. Das Ineinander künstlerischer Zeichensetzung und Widmung des Kirchenraumes für die Feier des Gottesdienstes wird im günstigen Fall zum unverfügbaren Gesamtkunstwerk aus Klang, Raum, Wort und Bild.

Ecclesiastical spaces in Protestantism are traditionally spaces of transition. In the age of the Reformation, artistic and theological criteria emerged for the evaluation of art that was to be put on permanent display in churches. These criteria have to be re-discovered and further developed. The support of appropriate institutions, which engage in continuous dialogue between the Church and the arts and which implement the acquired expertise, will be crucial in this process. Artistic interventions that temporarily display works of art in ecclesiastical spaces sharpen the appreciation of what is possible and necessary. Interlocking artistic expression and the dedication of the ecclesiastical space to worship shall ideally be an intangible piece of art embracing sound, space, word and image.


Theologie im biographischen Kontext


MARTIN PETZOLDT
Bach in Leipzig – und heute?

Dieser Beitrag gibt eine Skizze des Lebens Bachs in Leipzig. In den ersten zehn Jahren dieser Zeit entstanden die großen Zyklen seiner geistlichen Werke: Der erste und der zweite Kantaten-Jahrgang, die Passionen nach Johannes, Matthäus und Markus, die Oratorien für Ostern, Weihnachten und Himmelfahrt. Im Blick auf die säkulare Situation in Europa heute ist es sehr wichtig, die theologische Tiefe der Texte und der Musik Bachs darzustellen. Bachs musikalisches und kompositorisches Denken erweist sich nahe bei dem theologischen Denken der zeitgenössischen Bibelauslegung.

This article gives a sketch of Bach’s life in Leipzig. In the first ten years of this time were arising the great cycles of his spiritual works: The first and the second cantata cycles, the Passion-Oratories after St. John, St. Matthew and St. Mark, the Oratories to Easter, Christmas and Ascension Day. In point of the secular situation in Europe today it is very important to represent theological profoundness of Bach’s texts and music. Bach’s musical and compositional thinking is proving close by the theological thinking of the contemporary Bible exegesis.


Reden anlässlich der Verleihung des Karl-Barth-Preises


WILHELM HÜFFMEIER
Laudation zur Verleihung des Karl-Barth-Preises am 30.8.2006 an Dr. Meehyun Chung


MEEHYUN CHUNG
Dankesrede