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Humboldt-Universität zu Berlin - Berliner Theologische Zeitschrift (BThZ)

22. Jahrgang, Heft 1/2005

Gott und Gottesvorstellungen im Christentum


GEBHARD LÖHR
Jesus und Buddha - zwei Wege des Glaubens? Ein Vergleich der Anwendbarkeit der Begriffe 'Weg' und 'Glaube' auf Jesus und den Buddha

Der Aufsatz untersucht die Anwendbarkeit der Begriffe 'Weg' (oder 'Pfad') und 'Glaube' auf Jesus und den Buddha. Dabei wird gefragt, ob diese beiden Begriffe von den beiden Religionsstiftern selbst verwendet wurden, aber auch, ob sie in der Verehrung, die ihnen durch ihre Anhänger zuteil wurde, gebraucht wurden. Im letzten Abschnitt des Aufsatzes wird die Verwendung der Begriffe 'Liebe' bzw. 'Güte' durch den gegenwärtigen Dalai Lama untersucht, und es wird gefragt, ob sich daraus eine Einigungsmöglichkeit mit dem Christentum ergibt.

This paper examines the applicability of the notions of 'path' (or 'way') and 'faith' to Jesus and the Buddha. It is asked whether these notions were used by the two founders themselves, but also whether they were applied in the reverence paid to them after their death by their respective adherents. In the final paragraph an examination is made of the way the concepts of 'love' and 'compassion' are used in a lecture of the present Dalai Lama, and some consequences for dialogue between Buddhism and Christianity are pondered.


WOLF KRÖTKE
Der Glaube an den einen Gott. Zur christlichen Prägung des 'Monotheismus'

Der 'Monotheismus' steht heute im Verdacht, inhärent intolerant zu sein und zur Gewalt gegenüber Menschen mit anderen Glaubensüberzeugungen zu neigen. Der Aufsatz referiert die diesbezüglichen Thesen von J. Assmann und setzt sich mit ihnen vom Standpunkt des christlichen Glaubens her auseinander. Dabei zeigt sich: Der christliche Glaube an Gott ist zweifellos Glaube an einen einzigen Gott, der mit nichts Weltlichem vermischt werden darf. Er unterscheidet Gott und Welt. Aber diese Unterscheidung vollzieht sich nicht gesetzlich. Sie ist im Evangelium zu Hause. Was das bedeutet, wird in einer Analyse der Phänomene Offenbarung, Glaube und Wahrheit dargelegt. Sie begründet, warum das christliche Reden von Gott nur in einer Atmosphäre der Freiheit möglich ist. Der Versuch, den Glauben an den einen Gott mit Gewalt zu verbreiten, ist ein Missbrauch dieser Freiheit.

Today, monotheism is suspected to be inherently intolerant and to tend to violence against people of other faiths. This essay outlines J. Assmanns’s thesis referring to this and deals with them from view of the Christian faith. In that it shows: Without doubt, Christian faith in God is faith in only one God, who is not to be mixed up with worldly things. Christian faith differentiates between God and the world. But this differentiation does not take place in legal terms, but in the Gospel. What that implies is explained in an analysis of the phenomenona revelation, faith and truth. It shows why Christian talk of God is only possible in an atmosphere of freedom. The attempt to spread faith in God by means of violence is an abuse of this freedom.


HANS-OTTO FURIAN
Warum sind Visitationen unverzichtbar?

Das Vorzeichen einer Visitation ist Luthers Zielsetzung des visitatorischen Handelns: 'Gottes Ehre und der Seelen Heil.' Wo dieses Ziel gilt, bleibt Visitation ein unverzichtbares Instrument der Kirchenleitung. Eine Visitation sollte den Dank an die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter, die Ermutigung zum bekennenden Christenleben in Gemeinde und Öffentlichkeit, das Aufzeigen von Perspektiven (z.B. für die Gemeindearbeit ohne hauptamtliche Mitarbeiter) und die Zusicherung der Solidarität der Gesamtkirche zum Schwerpunkt haben. Die Durchführung der Visitation sollte in einer Verbindung von Besuch, Gespräch, kritischer Nachfrage, Zuwendung und Weisung erfolgen. Visitation muss ein nachweisbares Ergebnis haben, die Umsetzung der mit der Visitation beauftragten Kommission ist - nach gegebener Zeit - zu überprüfen. Die Auswertung der Visitation durch Kommission und Gemeinde sollte unter dem Vorzeichen erfolgen: 'Gottes Ehre und der Seelen Heil.'

The motto of an inspection is Luther’s aim of inspective action: ‘God’s honour and the salvation of the souls’. As long as this aim is respected, inspections are an unrenounceable instrument of the church leadership. An inspection should mainly consist of thanking the honorary and professional staff, of encouragement to a confessing Christian lifestyle within the church and in public, of showing perspectives (e.g. for parish work without professional staff) and of the assurance of the church’s solidarity. The process of inspection should be a mixture of visit, conversation, critical inquiry, care and advice. The inspection has to have a provable result. Its application has to be re-examined after a certain time by the commission that did the inspection. The analysis of the inspection by the commission and the parish should have the motto: ‘God’s honour and the salvation of the soul.’


CILLIERS BREYTENBACH
Der einzige Gott - Vater der Barmherzigkeit. Thoratexte als Grundlage des paulinischen Redens von Gott.

Die von Paulus aufgenommene urchristliche, homologische (1 Kor 8,6), hymnologische (Phil 2,11) und doxologische (Röm 9,5; 15,6; 11,32) Tradition, die Gebetssprache (vgl. Röm 4,17; 8,15; Gal 4,6), Lobpreisungen (2 Kor 1,3) und Segenswünsche (Gal 6,16 und die Segenswünsche der Präskripte paulinischer Briefe) zeigen Gottesvorstellungen auf, die für die jeweiligen Argumente und Ermahnungen des Paulus grundlegend sind. Ihrerseits sind solche traditionellen Formulierungen auf die Wirkungsgeschichte von zentralen Texten aus der Thora zurückzuführen (Ex 20,11; 34,6; Dtn 6,4; 32, 39f). Sie beeinflussten das Denken und Reden über Gott im hellenisierten Frühjudentum und somit bei Paulus nachhaltig.

Phrases Paul took from early Christian confessions (1 Cor 8:6), hymns (Phil 2:2-11), doxologies (Rom 9:5; 15:6; 11:23), prayers (cf. Rom 4:17; 8:15; Gal 4:6), eulogies (2 Cor 1:3) and benedictions (Gal 6:16 and the salutations in the prescripts of the letters of Paul) reflect concepts about God that are fundamental to Paul’s arguments and admonitions. Such traditional phrases were the result of the influence of central texts from the Torah (Ex 20:11; 34:6; Deut 6:4; 32, 39-40). The texts shaped the way God was perceived and spoken about in Hellenised early Judaism and thus by Paul himself.


VOLKER LEPPIN
Deus absconditus und Deus revelatus. Transformationen mittelalterlicher Theologie in der Gotteslehre von 'De servo arbitrio'

Luthers Konzept vom 'Deus absconditus' dient in der Auseinandersetzung mit Erasmus von Rotterdam dazu, die Einheit Gottes zu sichern. Luther folgt damit vor allem der poimenischen Ausrichtung der Theologie bei seinem Beichtvater Johannes von Staupitz, nimmt aber auch Ansätze aus der Theologie der Via moderna auf. Nikolaus von Kues hingegen dürfte für die Ausformung dieser theologischen Gedanken keine bedeutende Rolle gespielt haben.

Luther uses the concept of the ‘Deus absconditus’ in the debate with Erasmus of Rotterdam to strengthen the unity of God. In this, he follows the poimenic theology of his father confessor John of Staupitz and uses some hints in the theology of the Via moderna, while the theology of Nicholas of Cusa does not play a great role in this.


CORINNA DAHLGRÜN
'Nicht mehr in Bildern'? Homiletische Überlegungen zur Rede von Gott

Metaphorische Rede von Gott ist für Predigten unverzichtbar. Doch ist zu fragen, ob sie den biblischen Gottesbildern gerecht wird und zugleich in die Gegenwart hinein sprechen kann. Dabei ist von säkularer Kultur zu lernen.

Metaphorical speech of God is indispensable for preaching. However, the question is to what extent metaphorical language represents the images of God as contained in the bible and equally to what extent it connects with our present day world. In this context secular culture sets an example how this can be achieved.


MATTHIAS KÖCKERT
Wandlungen Gottes im antiken Israel

Der Beitrag zeichnet auf der Grundlage archäologischer, epigraphischer und biblischer Quellen Wandlungen des Gottes Israels auf seinem Weg zum Gott der ganzen Welt nach. Der Wettergott Jahwe verbindet zunächst Charakteristika Baals mit denen Els, er nimmt sodann solare und lunare Züge an, er rückt in den Bereich der Familie ein und weitet schließlich seinen Kompetenzbereich auch auf die Welt der Toten aus. Eine exklusive Verehrung dieses Gottes lässt sich erstmals im Deuteronomium beobachten.

The article investigates - on the basis of archaeological, epigraphic and biblical sources - the transformation of the god of Israel into the god of the whole world. First, Yhwh the storm-god fuses characteristic traits of Baal with those of El before incorporating solar and lunar features. Next, he moves into the realm of family religion and finally expands his influence to the world of the dead. Only in Deuteronomy, do we find an exclusive worship to this god.