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Humboldt-Universität zu Berlin - Berliner Theologische Zeitschrift (BThZ)

20. Jahrgang, Heft 1/2003

Räume, Szenen und Gestalten. Theologie und Ästhetik


ANNE M. STEINMEIER
Es ist noch nicht erschienen was wir sein werden. Bilder vom Menschen auf dem Theater

Die Autorin befragt namhafte Theaterregisseure des 20. Jahrhunderts nach dem "Bild vom Menschen", das diese in ihren Inszenierungen (Shakespeare, Ibsen, Brecht) entwerfen. Am Beispiel des neuen Theaters in Halle, von Peter Brook und Peter Zadek reflektiert sie moderne ästhetische Theorien, fragt nach der impliziten religiösen Dimension des Theaters und macht die Offenheit zeitgenössischer Inszenierungen für liturgisches Handeln fruchtbar.

The author searches for "images of the human" in productions of Shakespeare, Ibsen and Brecht in the versions of renowned theatre directors of the 20th century. Especially in the work of the new theatre in Halle, Peter Brook and Peter Zadek she recognizes implicit religious dimensions, which she makes accessible through modern aesthetic theories. The openness of contemporary staging becomes for the author an impact for the practice of liturgy.


MICHAEL BONGARDT
Sichtbarkeit Gottes? Zum Ort der Bilder in der Theologie

Der Beitrag sucht die Relevanz bildender Kunst für den Glauben systematisch-theologisch zu erhellen. Im Anschluss an die Bildtheologie Jean-Luc Marions und die Symbolphilosophie Ernst Cassirers wird die doppelte Funktion von Bildern entfaltet: Zum einen vermögen sie auf den Horizont christlichen Weltverstehens zu verweisen und diesen zu repräsentieren; zum anderen kann in der Begegnung mit Kunst die prinzipielle Begrenztheit dieses Horizontes erscheinen. Die Kunst ist deshalb ein "locus theologicus", an dem das Freiheitsverhältnis von Gott und Mensch offenbar werden kann.

The article strives to elucidate systematic-theologically the relevance of the fine arts for the faith. Following Jean-Luc Marion´s "Theology of Icon and Idol" and Ernst Cassirer´s "Philosophy of Symbolic Forms" the double function of images gets unfold: On the one hand they´re able to refer to the horizon of christian world view and to represent it, on the other hand in the encounter with arts the fundamental limitedness of this horizon can appear. Therefore the art is a "locus theologicus" where the relation of freedom between God and man can become revealed.


THOMAS KLIE
Todeszeichen. Topologie der Bestattung

Die kirchliche Bestattung hat die Form eines feierlichen Begängnisses. Durch die rituell angeleitete Ortsveränderung mit der Leiche erhält das Abschiednehmen Anhalt und Richtung. Mit dem Friedhof wird hierbei ein Raum mit eigener Ästhetik und eigenen Verhaltensnormen in Anspruch genommen. Die Begräbnisliturgie setzt die jeweils begangenen Räume in ein Deutungsverhältnis zum Leib Christi.

The church's burial is a kind of ceremony with rituals based an a change of localities with the dead body through wich the farewell gained a support and an orientation. This ceremony is on this occasion associated to a place where particular aesthetic and behavior's norms reign. The burial's liturgy at this time put the commemoration's spaces in a clear relation with the body of christ.


HELMUT UTZSCHNEIDER
Die "Theologische Ästhetik" als Herausforderung an die Exegese. Anstiftung zu einem Interdisziplinären Gespräch

Die "Theologische Ästhetik", vertreten etwa durch A. Grözinger, H. Timm. O. Bayer und K. Huizing, begründet sich nicht zuletzt im Rekurs auf die Bibel. Der vorliegende Beitrag stellt biblische Begründungen der Theologischen Ästhetik exemplarisch dar und fasst sie als Herausforderung an die Exegese auf. Für ein künftiges interdisziplinäres Gespräch werden u.a. folgende Gesichtspunkte genannt: Der Konflikt zwischen einem historischen und gegenwartsbezogenen Verständnis biblischer Texte; biblische Texte als Kunstwerke; anthropologische Implikationen der literarischen Ästhetik biblischer Texte.

"Theological aesthetics", as represented by A. Grözinger, H. Timm, O. Bayer, K. Huizing and others, is often and substantially based on biblical texts. Examples of a "Bible-based" theological aesthetic are portrayed and discussed from an exegetical point of view. The article proposes topics for a future interdisciplinary discussion, e.g.: the conflict between a historical and aesthetic understanding of texts; biblical texts as literary art; the anthropology of the aesthetics of biblical texts.


GUNDA SCHNEIDER-FLUME
Kirche und Theologie im Osten Deutschlands aus evangelischer Sicht

Der Aufsatz diskutiert das weit verbreitete Krisenbewusstsein der evangelischen Kirchen in Ostdeutschland. Theologisch angemessen beurteilt ist die gesellschaftliche und kirchliche Krise nur, wenn Gott in der Krise wahrgenommen wird. Kirche und Gesellschaft, Theologie und Verkündigung stehen unter der Verheißung des Realismus der Barmherzigkeit, von daher muss die Situation neu bestimmt werden.

The paper discusses the awareness of the crisis, which the churches in eastern Germany experience. Speaking about the crisis of the church and the society in general from a theological point of view means: to be aware that God is amidst the crisis. Church and society, theology and preaching have to be understood as being under the promise of the realism of mercy. Under this perspective the situation has to be discussed.


HERMANN VON LIPS
Christen in nichtchristlicher Umwelt. Eine neutestamentliche Perspektive

Für die frühen Christen war das Gewinnen und Festhalten einer eigenen Identität wesentlich für ihre Behauptung in der Situation als Minderheit: Am Beginn stand die Existenz einer Sondergruppe im palästinischen Judentum mit dem Bekenntnis zum Messias Jesus, das letztlich (nach 70 n.Chr.) zur Trennung vom Judentum führte. Im Römischen Reich verloren die Christen den Schutz jüdischer Privilegien, als es durch die Aufnahme von Heiden zur Trennung von der jüdischen Gemeinde kam, und sie mussten ihre Existenz als (illegaler) religiöser Verein in einer mehrheitlich anders geprägten Umwelt behaupten.

For Early Christians to win and hold their own identity was essential to survive in a situation of being a minority: At the beginning there was the existence of an extra group within the Palestinian Judaism with a confession of the Messiah Jesus. Finally (after 70), this led to the separation from Judaism. Christians lost the shelter of Jewish privileges in the Roman Empire when with the incorporation of Gentiles the separation from the Jewish community was carried out. They had to survive as an (illegal) religious association in a society that was shaped differently.


WILHELM HÜFFMEIER
Vom Segen einer Berufung. Heinrich Vogel als Synodaler

Dieser Artikel zeichnet ein Bild von der gut 40 Jahre währenden synodalen Arbeit des Theologen Heinrich Vogel auf drei Ebenen: auf der Ebene der Berlin-brandenburgischen Kirche, der Evangelischen Kirche der Union und der Evangelischen Kirche in Deutschland. Er blickt zurück auf Vogels Verdienste in theologischen Klärungen bezüglich des Verhältnisses von Juden und Christen, des Dienstes der Soldaten im Zeitalter der Massenvernichtungswaffen und auf seinen Beitrag zu einem gemeinsamen lutherisch-reformierten Abendmahlsverständnis.

The article gives a portrait of some 40 years of the theologian Heinrich Vogel's work in synods at three levels: at the level of Berlin-Brandenburg, the Prussian Union, and the Evangelical Church in Germany. It reviews his merits in the theological clarifications regarding the relationship between Christians and Jews, the military service in the era of weapons of mass destruction, and his contribution to a common Lutheran-Reformed understanding of Eucharist.