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Humboldt-Universität zu Berlin - Berliner Theologische Zeitschrift (BThZ)

19. Jahrgang, Heft 1/2002

Religionswissenschaft


UDO TWORUSCHKA
Angewandte Religionswissenschaft - am Beispiel der heiligen Stätten in Jerusalem

Angewandte Religionswissenschaft ist ein innerhalb der Religionswissenschaft umstrittenes Konzept. Der Autor plädiert für eine praxisorientierte Religionswissenschaft, welche die Augen vor "schlechter" religiöser Realität (Fanatismus, Fundamentalismus usw.) nicht verschließt und aus humanisierender Absicht kritisiert und Stellung bezieht. Am Beispiel der Verständigung über die heiligen Stätten der drei Abrahamsreligionen in Jerusalem sollen religionswissenschaftliche Möglichkeiten zur Verständigung gezeigt werden.

Engaged Religious Studies is a concept of Religionswissenschaft that is not undisputed. The author pleads for applied Religious Studies which does not shut ist eyes to a poor religious reality (religious fanatism, fundamentalism etc.), criticizing from a humanitarian intention and taking position. The practicability of Religionswissenschaft is scanned in the context of a possible agreement between the three "Abrahamitic religions" (Judaism, Christinity, Islam) and their understanding of holy places in Jerusalem.


ULRICH DEHN
Der Geist und die Geister. Religionstheologische Optionen und ein Vorschlag

Bei aller Komplexität der religionstheologischen Diskussion lassen sich mit erheblichen jeweiligen Modifikationen nach wie vor die drei Kategorien Exklusivismus, Inklusivismus und Pluralismus anwenden. Nach einer kritischen Auseinandersetzung u.a. mit Karl Barth/Hendrik Kraemer, dem vatikanischen Inklusivismus, der "pluralistischen Option" John Hicks und moderat inklusivistischen Entwürfen wird hier eine geisttheologisch orientierte Position entfaltet, die jedenfalls nicht hinter die Motive des Pluralismus zurückfallen möchte.

The complex debate on a theology of religions can still be categorized under the concepts of exclusivism, inclusivism, and pluralism, with a large range of modifications. This paper presents a critical review of the concepts of e.g. Karl Barth and Hendrik Kraemer, inclusivism after Vat. II as well as retractations according to DOMINUS IESUS, the "pluralistic option" of John Hick and some recent moderately inclusivistic proposals. It opts for a pneumatological approach grounded in the motives of pluralism as well as in trinitarian faith.


ANDREAS FELDTKELLER
Identität und Synkretismus

Gebrauch und Bedeutung der Begriffe "Identität" und "Synkretismus" in religiösen wie in nichtreligiösen Verwendungszusammenhängen werden analysiert und zueinander in Beziehung gesetzt. Dabei wird der verbreiteten Meinung widersprochen, dass der Identitätsbegriff als Gegenbegriff zu "Synkretismus" dienen könne und eine Gestalt von Religion sicherstellen, die nicht synkretistisch ist.

The essay examines the use and meaning of the notions "identity" and "syncretism" in religious contexts as well as in other contexts, and it describes their relation towards each other. It casts doubt on the widespread opinion that the notion of "identity" could serve as an antonym to "syncretism" and guarantee a form of religion that is free of syncretism.


RUBEN ZIMMERMANN
Theologisierung der Ethik: Relikt oder Richtmaß? Die implizite Ethik der alttestamentlichen Weisheit und ihre Impulse für die gegenwärtige Situation

Die implizite Ethik der atl. Weisheitsschriften zeigt eine bemerkenswerte Entwicklung: Die auf dem Erfahrungswissen aufbauende und auf den Nutzen der Handlungsfolgen zielende 'utilitaristische' Normbegründung, ebenso wie 'deontologische' Maximen (Tugend-, Prinzipienethik) mussten an der Erfahrung individueller und sozialpolitischer Krisen scheitern. Im Gegenüber zu einer 'hedonistischen' Normbegründung wurde erst in der jüngeren Weisheit der Wert einer theologischen Verankerung der Ethik entdeckt, die in Nächstenliebe und Selbstbegrenzung Leitsätze formulierte, die auch in der ‚postsäkularen' Gesellschaft richtungsweisend sein könnten.

The implicit ethics of the old testamental wisdom scriptures demonstrate a remarkable development. The 'utilitarian' establishment of norms based on general experience and aiming at the utilization of the consequences of actions necessarily broke down, in the same way as 'deontological' maxims (ethics of virtue, ethics of principles), in the experience of individual and social crises. In contrast to a 'hedonistic' establishment of norms, the value of a theological basis of ethics that formulated maxims of self-limitation and the love of one's neighbour and which could be trendsetting in postsecular society was first discovered in the later wisdom.


MATTHIAS MORGENSTERN
Die Bibel im zeitgenössischen hebräischen Theater. Formen des nicht-religiösen Umgangs mit theologischen Motiven und Begriffen im zeitgenössichen Judentum

Biblische Motive im modernen hebräischen Drama sind Beispiele für den "nicht-religiösen Umgang" mit der jüdischen Tradition, der zu einer kritischen Konfrontation mit der historisch-gesellschaftlichen Wirklichkeit in Israel führt, das Sprachmaterial für die Auseinandersetzung mit der Shoah bereitstellt und für die säkularzionistische Identitätskonstitution relevante Kontingenzerfahrungen sichtbar macht, die dazu beitragen, die Gottesfrage im säkularistischen Judentum offen zu halten.

Biblical motives in modern hebrew drama are examples of a "non-religious" interpretation of Jewish tradition. They lead to a critical confrontation with historical and social reality in Israeli society, supply with adequate linguistic material for dealing with the holocaust and, most meaningful for the quest after a secular and zionist Jewish identity, show experiences of contingency that are signs of the question of God in the context of secularist Judaism.