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Humboldt-Universität zu Berlin - Berliner Theologische Zeitschrift (BThZ)

15. Jahrgang, Heft 1/1998

Kirchengeschichte


GERLINDE STROHMAIER-WIEDERANDERS
Der Kirchenbau König Friedrich Wilhelms IV. als Bestandteil seiner Residenzgestaltung

König Friedrich Wilhelm IV von Preußen hat wie kein anderer in seiner Zeit Kirchen gebaut. Sie waren Teil seiner Residenzgestaltung in Berlin und Potsdam. Mit seinem Architekten August Stüler entwarf der König Kirchenbauten, die frühchristliche Basilika-Formen als Vorbild hatten und zugleich landschaftliche Schwerpunkte bilden sollten. Damit wollte Friedrich Wilhelm IV. die Frömmigkeit erneuern und anregen. Er verband ästhetische und kirchliche Pläne zu einem konkreten kirchenpolitischen Programm.

King Frederick William IV of Prussia may be regarded as the most renowned builder of churches of his time. They were part of his plans to shape the appearance of his residence towns Berlin and Potsdam. Together with his architect August Stüler he designed the churches so as to look similar to the early Christian basilica. At the Same time they were intended to be centres of the landscape. By combining aesthetical and ecclesiastical motives the king wanted to stimulate and to renew the Christian faith among his people.


HANS GEORG THÜMMEL
Desideria für die Dogmengeschichtsschreibung der ersten vier Jahrhunderte

Die Dogmengeschichtsschreibung folgt weithin noch den klassischen Schemata. Doch neuere Untersuchungen machen es nötig, auch größere Entwicklungslinien anders zu ziehen. Dabei geht es vor allem um die Benutzung philosophischer Denkmodelle und um die theologischen Positionen im 4. Jahrhundert.

History of dogmas is even today mostly written in a traditional Pattern. But newer inquiries make it necessary, to draw lines of evolution anew. This concerns especially the use of philosophical models and the theological positions in the 4th century.


HEINRICH HOLZE
Religiöse Toleranz im Mittelalter? Überlegungen zum Umgang mit der "diversitas" im 11. Und 12. Jahrhundert

Religiöse Toleranz steht im Mittelalter weitgehend unter dem Vorzeichen augustinischer Zwiespältigkeit. Im späten 11. und im 12. Jahrhundert, als sich Grenzen öffnen, die Wissenschaften aufblühen und religiöse Reformbewegungen entstehen, wird diese vorübergehend überwunden. Unter Verweis auf klösterliche Erfahrung, biblische Überlieferung und Naturrecht wird religiöse Toleranz zu einer positiven Bezugsgröße des kirchlichen Selbstverständnisses.

Influenced by Augustine the understanding of tolerante is to a large extent ambivalent in the Middle Ages. In the late 11th and in the 12th century as a time of opening borders, flourishing sciences and religious movements, this ambivalence was overcome temporarily. With reference to the monastic experience, the biblical tradition and the natural law religious tolerance is interpreted as an important criterion of the ecclesiastical self-understanding.


HELGA KUHLMANN
Herrschaftsauftrag und Geschlechterdifferenz

Die These des Beitrags lautet: Der Text Gen 1,27b kann einen Beitrag zur Klärung dessen leisten, woran sich eine verantwortliche Ausführung des dominium terrae gegenwärtig zu orientieren hätte. Er könnte für die unvermeidliche und verminderbare Gewalt im Umgang mit der nicht-menschlichen Natur sensibilisieren, eine neue theologische Reflexion des Verhältnisses von Natur, Sünde und Gott anstoßen, sowie dazu anleiten, sich selbst als Mit-Natur anderer Natur und als leiblich zu verstehen.

The article comments the following thesis: The text of Gen 1,27b can contribute to clarify a current responsible executing of the dominium terrae. It can sensibilize for the nonavoidable and the reducable violence against non-human nature and encourage a new theological reflection of the relation between nature, sin and god as well as an imbodied self-image as con-nature of other nature.


ULRICH KÖRTNER
Versöhnte Verschiedenheit. Die Einheit von Identität und Differenz als Grundproblem christlicher Ökumene.

Der Begriff der Ökumene bezeichnet das Problem der Vielfalt und Einheit des Christentums. Gegenüber bisher diskutierten Einheitsmodellen, welche vom Begriff der Identität ausgehen, plädiert der vorliegende Aufsatz für ein differenztheoretisches Konzept ökumenischer Theologie. Mit seiner Hilfe läßt sich auch das Verhältnis von Kirche und Judentum neu bestimmen, nämlich als paradoxe Einheit der Identität und Differenz des Volkes Gottes.

The term "oikoumene" describes the problem of diversiry and unity of Christianitv. In contrast to ecumenical models of unity which depends an the term of identity the above article supports a theory of ecumenical theology which handles with "difference" as basic term. Such a model of ecumenics is also able to identify the relationship between Christian church and Jews in a new way, namely as paradoxical unity of identity and difference of the people of God.


Visitation


MARTIN OHST
Theologiegeschichtliche Bemerkungen zu Ernst Haeckels "Monismus"

Haeckels Anschauung von Welt und Mensch sowie seine Christentums- und Kantkritik werden umrissen. Mögliche Gründe für die Plausibilität seines Ansatzes werden aufgezeigt. Die halbversteckten religiösen Wurzeln seines "Monismus" werden aufgedeckt.

Haeckel's "monistic" view of world and mankind, his harsh criticism of Christian Faith and Kantian Philosophy are outlined. Reasons for the plausiblity of his theories are discussed. The half hidden religious roots of his "Monism" are laid open.


Theologie in biographischem Kontext


ANDREAS PANGRITZ
"Geheimnis und Gebot" bei Leo Baeck und Dietrich Bonhoeffer

In einem posthumen Dialog zwischen Leo Baeck und Dietrich Bonhoeffer wird die Strukturverwandschaft in beider Denken untersucht. Nach Baeck ist jüdisches Leben durch die Polarität von "Geheimnis und Gebot" bestimmt. Dazu findet sich eine auffällige Parallele in Bonhoeffers Umschreibung des zukünftigen Christseins als "Beten und Tun des Gerechten unter den Menschen".

Similarities between Leo Baeck's and Dietrich Bonhoeffer's thinking are examined in a kind of posthumous dialogue. The polarity between "mystery and commandment" - the two dimensions of Jewish life according to Baeck - can be recognized in Bonhoeffer's description of the future of Christianity as consisting exclusively in "prayer an righteous action".