Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼

Humboldt-Universität zu Berlin - Berliner Arbeitskreis für koptisch-gnostische Schriften

Berliner Arbeitskreis für koptisch-gnostische Schriften

Der Berliner Arbeitskreis für koptisch-gnostische Schriften steht in der Berliner Tradition der Erforschung antiker christlicher Texte in koptischer Sprache. Ein wichtiger älterer Vertreter dieser Forschungen war Carl Schmidt (1868–1938), der in der Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften (der heutigen Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften) mit Adolf von Harnack (1851–1930) zusammenarbeitete. Schmidts Textausgaben – etwa des Codex Brucianus und des Codex Ascewianus – sind bis heute maßgeblich. Seit Anfang der 1970er Jahre traf sich sodann eine Gruppe von Forscherinnen und Forschern um Hans-Martin Schenke (1929–2002), um die Schriften aus Nag Hammadi gemeinsam zu übersetzen und zu diskutieren. Nach der Emeritierung Schenkes im Jahr 1994 übernahm Hans-Gebhard Bethge die Leitung des Kreises. Seit 2009 ist der Berliner Arbeitskreis am Lehrstuhl für Exegese und Theologie des Neuen Testaments sowie die neutestamentlichen Apokryphen von Jens Schröter angesiedelt.

Fragment aus dem Berliner Koptischen Buch (P. Berol. 20915, p. 128; Foto: SMB/Papyrussammlung)
 

Der Schwerpunkt des Berliner Arbeitskreises liegt auf der Übersetzung und Kommentierung frühchristlicher Texte in koptischer Sprache. Seit 1959 erschienen  Übersetzungen diverser Schriften aus Nag Hammadi sukzessive in der Theologischen Literaturzeitung (darunter z.B. eine Übersetzung des Thomasevangliums von Johannes Leipoldt). In den Jahren 2001 und 2003 wurde sodann eine zweibändige Gesamtausgabe der Nag-Hammadi-Schriften in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Nag Hammadi Deutsch“ publiziert. Die Ausgabe bietet eine verlässliche Übersetzung aller Nag-Hammadi-Texte sowie des Papyrus Berolinensis Gnosticus (u.a. mit dem Mariaevangelium) in die deutsche Sprache. Eine einbändige Studienausgabe dieser Texte erschien 2013 bereits in dritter Auflage. Des weiteren wurden kommentierte Textausgaben einzelner Schriften wie etwa des Philippusevangeliums (Hans-Martin Schenke), der Erkenntnis (Uwe-Karsten Plisch), der Erzählung über die Seele (Cornelia Kulawik) oder der Hypostase der Archonten (Ursula Ulrike Kaiser) publiziert. Der Berliner Arbeitskreis befasst sich auch mit koptischen Texten  außerhalb von Nag Hammadi, wie etwa dem Judasevanglium, dem sogenannten „Unbekannten Berliner Evangelium“ oder dem „Koptischen Buch“. Mitglieder des Berliner Arbeitskreises sind zudem an der Neubearbeitung der „Antiken christlichen Apokryphen“ beteiligt, die von Christoph Markschies und Jens Schröter herausgegeben wird (der erste Band in zwei Teilbänden unter dem Titel „Evangelien und Verwandtes“ erschien im Jahr 2012). Der Berliner Arbeitskreis trifft sich jährlich, um neuere Vorhaben zu diskutieren und gemeinsam koptische Texte zu lesen und zu besprechen.