Humboldt-Universität zu Berlin - Berliner Theologische Zeitschrift (BThZ)

Vorschau

Hier finden Sie einen kurzen Überblick über die kommende Veröffentlichung der BThZ:

 

Band 43 (2026): »Blut«

 

Der nächste Band der Berliner Theologischen Zeitschrift wird dem Thema „Blut“ gewidmet sein. Blut spielt seit der Antike als „ein ganz besonderer Saft“ (Johann Wolfgang von Goethe) in vielen Kulturen und Religionen eine wichtige Rolle. Das kommt bereits in Begriffen wie „Blutschuld“ und „Blutrache“, aber auch „Blutsbande“ und „Geblüt“, zum Ausdruck. Blut wird als grundlegende Substanz menschlichen und tierischen Lebens aufgefasst, dem eine besondere Bedeutung zukommt. Der Umgang mit Blut unterliegt entsprechend spezifischen Regeln. Das zeigt sich vor allem in kultischen Ritualen, in denen durch das vergossene Blut eines Menschen oder eines Tieres das gestörte Verhältnis zwischen Göttern und Menschen wiederhergestellt werden konnte. Im zwischenmenschlichen Bereich musste Blutschuld entsprechend durch das Vergießen von Blut gesühnt werden. Blut konnte in kultischen Kontexten darüber hinaus spezifische Wirkungen, z.B. reinigender oder apotropäischer Art, entfalten. Auch das Verbot des Blutgenusses bringt die Besonderheit des Blutes zum Ausdruck.

Der Band wird das Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchten. Gil Anidjar und Calvin Ullrich werden religionsphilosophische Reflexionen zu „Blut“ beisteuern. Christian Eberhart, Dorothea Erbele-Küster und Ruben Bühner werden das Thema in biblischer Hinsicht behandeln. Sowohl im Alten als im Neuen Testament spielt das Blut in kultischen und anthropologischen Kontexten eine wichtige Rolle – im frühen Christentum in besonderer Weise im Blick auf das vergossene Blut Jesu als „Blut des Neuen Bundes“. Gregor Etzelmüller und Fana Schiefen werden die Bedeutung des Blutes aus systematisch-theologischen Perspektiven beleuchten, im protestantischen sowie im römisch-katholischen Kontext. In der Geschichte des Christentums spielt Blut in vielfältiger Weise eine Rolle. Mariano Delgardo wird dies anhand der „Reinheit des Blutes“ (Limpieza de sangre) im Spanien der Frühen Neuzeit als Ausschlussstatut gegen Juden, Muslime und Ketzer vorführen. Tobias Jammerthal wird die Abendmahlsfrömmigkeit im Spätmittelalter in den Blick nehmen. Die „Seitenwunde Jesu“ hat bei der Interpretation und Darstellung der Passion Jesu eine ganz eigene Rezeption erfahren. Dem wird sich der Beitrag von Anne Bezzel widmen. Radikale christliche Gruppen haben sich dem Thema „Blut“ in ganz eigener Weise genähert. Das wird im Artikel von Douglas Shantz dargestellt werden. Der Rolle des Blutes im Islam sind die Beiträge von Mira Sievers und Sedar Kurnaz gewidmet. Mira Sievers wird theologische Sichtweisen auf Blut im Islam entfalten. Serdar Kurnaz wird die Bedeutung von Blut und Reinheit im islamischen Recht darstellen. Nurhan Sidal wird sich mit der Bedeutung des Blutes in der modernen Kunst befassen, Jörg Herrmann wird das Thema im Blick auf religiöse Filme behandeln. Eine weitere, sehr aktuelle Perspektive wird Philine Lewek mit dem Blick auf die Rolle des Blutes in neurechten Netzwerken einbringen.

Die Beiträge werden das Thema „Blut“ in breiter Weise entfalten und für gegenwärtige religions- und kulturgeschichtliche Diskurse fruchtbar machen.