Humboldt-Universität zu Berlin - Geschichte Israels in der altorientalischen Welt

Ausgrabung Tell Keisan

 

Globalisierung im östlichen Mittelmeerraum. Der Tell Keisan zwischen Israel, Phönizien und Ägypten

Das von der Stiftung Humboldt-Universität und der Gerda-Henkel-Stiftung mit insgesamt mehr als 400.000 Euro geförderte Projekt wird in einer Kooperation mit dem Insitute for Oriental Studies der University of Chicago (Prof. Dr. David Schloen) und der Ben-Gurion-Universität Beersheva (Prof. Dr. Gunnar Lehmann) durchgeführt.

 

Globalisierung ist kein Phänomen der Neuzeit, sondern fand schon in der alten Welt statt. Durch die Phönizier kam es im 1. Jahrtausend v. Chr. zu einer Ausweitung der Handelsräume und einem umfassenden Kulturaustausch zwischen dem östlichen Mittelmeerraum einschließlich Ägypten und weiter entfernten Gebieten bis zum heutigen Spanien. Eine zentrale Frage in der heutigen Diskussion zur Archäologie des alten Israel ist, welchen Anteil das Königreich Israel an diesem Kulturaustausch hatte. Jüngere Ausgrabungen sprechen dafür, dass insbesondere die Jesreelebene als "Kornkammer Israels" eine wichtige Bedeutung hatte: Sie ermöglichte es den Königen von Israel, am internationalen Handel teilzunehmen. Wie aber war das Verhältnis zwischen den Phöniziern in der Küstenebene und dem Königreich Israel im Landesinneren?

 

Keisan.jpgDie Ausgrabung auf dem Tell Keisan ("Tell" = Ruinenhügel) will die Frage nach den wirtschaftlichen und kulturellen Verbindungen zwischen der phönizisch kontrollierten Küstenebene und den Königen von Israel beantworten: Die antike Siedlung auf dem Tell Keisan belegt kulturelle Kontakte nach beiden Seiten hin, in den Mittelmeerraum einschließlich Ägypten und ins Herrschaftsgebiet der Könige Israels im Landesinneren. 

 

 

 

 

 

digging 2.jpgBislang wurden von Prof. Dr. David Schloen (University of Chicago) und Prof. Dr. Gunnar Lehmann (Ben-Gurion-Universität Beersheva) bereits vier Ausgrabungskampagnen durchgeführt, die wichtige Einblicke zu den Handelsnetzwerken des frühen 1. Jahrtausends v. Chr. ergeben haben und beispielsweise die in der Bibel nur wenig bezeugten Kontakte nach Ägypten mit archäologischen Funden dokumentiert haben (z. B. Handelskeramik). Nähere Informationen finden sich unter https://keisan.uchicago.edu/

 

 

 

 

Bereits 2019Meike im Grabungsquadranten.jpg nahmen auch Mitglieder des Lehrstuhls Geschichte Israels in der altorientalischen Welt an den Grabungen teil. Aus der 2020 offiziell geschlossenen Kooperation sind bereits weitere Vorhaben hervorgegangen, u. a. das von der Gerda-Henkel-Stiftung finanzierte Projekt "Zur Genese des frühen Phönizien: Die Akko-Ebene als wirtschaftliche und politische Schnittstelle zwischen dem Mittelmeer und Israel im 10. und 9. Jh. v. Chr.".

 

 

 

 

 

Keisan the drone starts in the morning.jpg

Da aufgrund der aktuellen Pandemie-Situation eine Grabungskampagne in 2021 nicht durchgeführt werden kann, wird die nächste Ausgrabung auf dem Tell Keisan erst in 2022 stattfinden. Es soll jedoch im Oktober 2021 vor Ort ein Survey durchgeführt werden.