Humboldt-Universität zu Berlin - Praktische Theologie und Religionspädagogik

Zoom-Diskussion „Enabling Community“

 

Zoom-Diskussion „Enabling Community“

 

Donnerstag, 17.06.2021, 18-20 Uhr

Prof. Dr. Johannes Eurich (DWI Heidelberg)
Enabling Community – Zur Bedeutung von Gemeinschaft im Horizont theologischer Deutungen von „Behinderung“
Ein Zoom-Vortrag mit Diskussion

Am 17. Juni diskutierte Johannes Eurich, der Direktor des Diakoniewissenschaftlichen Instituts an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, mit Teilnehmenden seines Zoom-Vortrags über „Enabling Community“.
Den Begriff Community verwendet Eurich, um über den Begriff „Gemeinschaft“ hinauszugehen, da „Community“ auch eine Verwaltungseinheit, Zusammengehörigkeitsgefühle, und losere Verbindungen (z.B. das Treffen in Orten wie Schule und Internet) beinhalte.
„Enabling“ hat für Eurich eine doppelte Bedeutung: eine Gemeinschaft wirkt befähigend und die Gemeinschaft muss zur Inklusion befähigt werden.
Sein Einstieg in den Vortrag ließ aufhorchen: Eine Schulleiterin lehnte ein kleinwüchsiges Mädchen ab, weil sie aus „ästhetischen Gründen nicht in die Schule gehöre“. Auch wenn dieser Fall schon mehrere Jahrzehnte zurückliege, bestimmten auch heute noch normative Menschenbilder und soziale Rollen das Zusammenleben.
Von einem Personenverständnis, das Selbstbestimmung und Relation auch in Rückschluss auf theologische Anthropologie gleichermaßen annimmt, plädiert Eurich für Grundbedingungen einer „Enabling Community“: Eine Gesellschaft, in der Anerkennung wechselseitig gelebt wird. Menschen, die ihre Selbstbestimmung als dialogisch responsiv zwischen Autonomie und Abhängigkeit aufgespannt verstehen. In einer „Enabling Community“ wird Leben als sich entwickelnd angesehen, mit Phasen von Optimierung wie von Degeneration.
Teilhabe und Teilgabe werden so beide möglich. Teilhabe eröffnet einen elementaren Anspruch auf einen angemessenen Anteil „an den Lebensmöglichkeit der Gesellschaft“ (Jähnichen) und Teilgabe bedeutet selbst gestalten, eigene Rollen einnehmen und Anerkennung dafür erfahren können von der Gemeinschaft.
Die Schule sei ein Ort, an dem die kulturellen Bedingungen einer „Enabling Community“ gelernt werden könnten. Sie ist aber gleichzeitig der Ort, von dem ausgeschlossen wird.
In der Diskussion interessierte die Zuhörenden besonders, welche Mechanismen Zugänge zur gesellschaftlichen Teilnahme und Teilgabe erschwerten, welche gesellschaftlichen Hebel diese Zugänge ermöglichten und woraus Anerkennung eigentlich bestehe und was diese möglich mache.

Der Vortrag fand in Zusammenarbeit des Lehrstuhl für Religionspädagogik der Humbold Universität zu Berlin, des Berlin Institute for Public Theology (BIPT) und dem Zentralinstitut Professional School of Education (PSE) statt.