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Abb.: Michael Otto

Humboldt-Universität zu Berlin - Systematische Theologie mit dem Schwerpunkt Ethik und Hermeneutik

Ethik rechtswahrender Gewalt

Internationaler Terrorismus, failed states und Herausforderungen durch private Konkurrenz kennzeichnen gegenwärtig die Entwicklung von Polizei und Militär: Der klassische Verteidigungsfall gegen einen militärisch organisierten äußeren Feind wird seltener, Militärs werden in 'failed states' und anderswo für polizeiliche Aufgaben eingesetzt, Polizei wird für quasi-militärische Aufgaben der Terrorabwehr vorgesehen. Gleichzeitig lässt sich eine Verschiebung hin zu professionellen Kräften erkennen, die teils auch jenseits staatlicher Hoheitsbereiche als private Militärfirmen agieren. Diese Prozesse betreffen Selbstverständnis und Handlungsdirektiven von Polizei und Militär in demokratischen Staaten und bilden somit eine Herausforderung ethischer Reflexion, wie sie etwa durch die – oft kirchlich besetzten – Ethik-Dozenturen gerade innerhalb dieser Institutionen gepflegt und gelehrt wird. Allerdings ist die Ethik-Debatte in diesen Zusammenhängen bisher eher auf institutionell geschlossene Expertenzirkel begrenzt, eine Grundlageneflexion einer Ethik zwischen Militär und Polizei, die auf das in der christlichen Tradition verankerte Wissen um die tiefe Ambivalenz des Gewaltumgangs zugreifen kann, steht aus und soll im Rahmen dieses Projektes entwickelt werden. In einem ersten Schritt ist von Berner Seite eine binationale, interdisziplinäre Expertentagung im Bereich der Ethik in Polizei und Militär organisiert worden, die sich mit dem Ziel der Auslotung von Problemlagen und Reflexionsbedarf den Herausforderungen gestellt hat, die der moderne Terrorismus an die polizeilichen und militärischen moralischen Kulturen demokratischer Staaten stellt. Die Ergebnisse der Tagung sind mittlerweile veröffentlicht.[1] In einem weiteren Schritt wurde in Kooperation mit dem Hamburger Institut für Theologie und Frieden eine international besetzte interdisziplinäre Tagung zur Herausforderung letaler autonomer Waffensysteme (LAWS) durchgeführt, deren Ergebnisse sich gegenwärtig im Publikationsprozess befinden. Weitere Schritte schließen angefragte Studien (etwa zur revisionist just war theory und zu chivalry) sowie mittelfristig eine Monographie zum Konzept der rechtswahrenden Gewalt ein.

Verantwortlich: Prof. Dr. Torsten Meireis



[1]Torsten Meireis (Hg.), Gewalt und Gewalten. Zur Ausübung, Legitimität und Ambivalenz rechtserhaltender Gewalt, Tübingen 2012.