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Abb.: Michael Otto

Humboldt-Universität zu Berlin - Systematische Theologie mit dem Schwerpunkt Ethik und Hermeneutik

Humboldt-Universität zu Berlin | Theologische Fakultät | Systematische Theologie mit dem Schwerpunkt Ethik und Hermeneutik | Forschung | Grundlagen der Sozialphilosophie und Ethik im Kontext öffentlicher Theologie

Grundlagen der Sozialphilosophie und Ethik im Kontext öffentlicher Theologie

Öffentliche Theologie, verstanden als theologisch informierter öffentlicher Diskurs über öffentliche Angelegenheiten und seine Reflexion, gehört im Kontext des Protestantismus, der ein hierarchisch institutionalisiertes geistliches Lehramt nicht kennt, zu den Grundvollzügen der als offen zu denkenden Kirche und zielt im demokratischen Gemeinwesen und seiner pluralistischen Zivilgesellschaft auf die Ermöglichung diskursiver öffentlicher Prüfung theologisch-ethischer Erwägungen, auf die Ermöglichung selbstständiger Orientierung der sich als Christen und Christinnen verstehenden Bürgerinnen und Bürger sowie auf deren konstruktive Beteiligung an der Lösung anstehender gesellschaftlicher Problemlagen, etwa in Gestalt eines overlapping consensus begründungsoffener Regelungen.[1] Grundlegung wie materiale Anwendung evangelischer Ethik im Sinne öffentlicher Theologie legt einerseits den ständigen disziplinären wie interdisziplinären Fachdiskurs gerade in fundamentalethischen und hermeneutischen Fragen, andererseits eine ökumenische und auf interreligiösen Dialog zielende Ausrichtung nahe. Dem Austausch diente die Veranstaltung interdisziplinärer Oberseminare in Kooperation mit der Praktischen Philosophie Bern (Proff. Betzler, Stepanians), zu denen als Gäste namhafte Sozialphilosophen (u.a. M. Nussbaum, R. Forst, Th. Pogge) gewonnen werden konnten. Zur Intensivierung der ökumenischen Debatte fundamental- und materialethischer Fragen kann die Etablierung der online-Publikation (open access) 'Ethik und Gesellschaft – Ökumenische Zeitschrift für Sozialethik' (in Kooperation mit Prof. M. Möhring-Hesse, Tübingen) beitragen, die zukünftig durch eine Buchedition ergänzt wird. Im interreligiösen Kontext haben erste Kooperationen stattgefunden. Im disziplinären Kontext ist einerseits die Initiierung und anfängliche Institutionalisierung eines Fachgesprächs Evangelische Ethik (in Kooperation mit Dr. Thorsten Moos, FESt), andererseits die Erarbeitung eines – an eine weitere Öffentlichkeit adressierten – Handbuchs Evangelische Ethik gelungen.[2] Selbstverständlich lassen sich in diesem Kontext auch die interdisziplinären Kooperationen, die in den übrigen Projektbereichen die Normalität darstellen (s.u.), die Einladungen zu publikumswirksamen öffentlichen Tagungen sowie die (auf Einladung erfolgte) Mitarbeit in wissenschaftsnahen zivilgesellschaftlichen Gremien (Schweizerischer Gesprächskreis Life-Sciences, Bern; Theologischer Workshop Nachhaltigkeit, EKD; Fachgremium ITE des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds etc.) nennen.



[1]Vgl. hierzu insgesamt Torsten Meireis, Politischer Gottesdienst als öffentliche Theologie – Bedeutung, Rahmen und theologische Bedingungen, in: Kathrin Kusmierz, David Plüss (Hg.), Politischer Gottesdienst!?, Zürich 2013, 153-175; ders., Die theokratische Frage. Zur politischen Ethik des Heidelberger Katechismus, in: Martin Hirzel, Frank Mathwig, Matthias Zeindler (Hg.), Der Heidelberger Katechismus. Ein reformierter Schlüsseltext, Zürich 2013, 189-218; ders. Recht, Frieden und Gewalt nach göttlicher Anordnung? Zur Revision der politischen Theologie in der funften Barmer These, in: Magdalene Frettlöh, Frank Mathwig, Matthias Zeindler, Gottes kräftiger Anspruch. Die Barmer Theologische Erklärung als reformierter Schlüsseltext, im Erscheinen.

[2]Wolfgang Huber, Hans-Richard Reuter, Torsten Meireis (Hg.), Handbuch der Evangelischen Ethik, München 2015.