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Abb.: Michael Otto

Humboldt-Universität zu Berlin - Exegese und Literaturgeschichte des Alten Testaments

Altes Testament in Berlin

Zur Geschichte der Erforschung des Alten Testaments an der Universität Berlin

Mit der Berufung des zunächst in Heidelberg wirkenden Exegeten Wilhelm Martin Leberecht de Wette (1780–1843) zog schon bei der Gründung der Universität Berlin (1809/1810) die alttestamentliche Wissenschaft als eigenständige Disziplin in die Theologische Fakultät ein. Die von W.M.L. de Wette in seiner Berliner Zeit verfassten, erschienenen oder neu aufgelegten Werke, darunter das „Lehrbuch der hebräischen und jüdischen Archäologie“ (1814), das „Lehrbuch der historisch-kritischen Einleitung in die kanonischen und apokryphischen Bücher des Alten Testaments“ (1817), der „Commentar über die Psalmen“ (1811, zweite Auflage 1823) und die seinem ihm freundschaftlich verbundenen Kollegen Schleiermacher gewidmete „Biblische Dogmatik Alten und Neuen Testaments oder kritische Darstellung der Religionslehre des Hebraismus, des Judenthums und Urchristenthums. Zum Gebrauch akademischer Vorlesungen“ (1813, zweite Auflage 1818), kennzeichnen als wesentliche Grundzüge, die sich mit wechselnden Schwerpunkten durch die Geschichte der Erforschung des Alten Testaments in Berlin hindurchziehen: 

  • die enge Verbindung von literatur- und religionsgeschichtlicher Arbeit, 
  • die hohe Bedeutung der Philologie, insbesondere der (vergleichenden) Semitistik,
  • die didaktisch geschickte Vermittlung der Forschung in die akademische Lehre.

Über die W.M.L. de Wette nachfolgenden Exegeten wurden diese Grundzüge inhaltlich konkretisiert im Blick auf:

  • die Kulturgeschichte Ägyptens und des Nahen Ostens,
  • die Judaistik (rabbinisches Judentum und Judentum der hellenistisch-römischen Zeit),
  • die Erschließung der materialen Kultur (die „Biblische Archäologie“). 

Von nahezu jedem Alttestamentler, der als Ordinarius, Extraordinarius oder Privatdozent an der Friedrich-Wilhelms-Universität bzw. der Humboldt-Universität, in deren Theologischen Fakultät auch die Tradition der Kirchlichen Hochschule Berlin-Zehlendorf (1935–1941; 1946–1993) und der Kirchlichen Hochschule Berlin-Brandenburg („Sprachenkonvikt“, 1946–1991) fortlebt, tätig war, stammen methodologisch wegweisende Studien (so vor allem zur Gattungsforschung und zur vergleichenden Religionsgeschichte), substantielle Kommentare zu einzelnen Schriften des Alten Testaments, literaturgeschichtliche Synthesen und methodisch ausgezeichnete Lehrbücher, die mitunter zahlreiche Auflagen erlebten und Generationen von Theologiestudenten prägten.
Das seit Beginn der 90er-Jahre des 20. Jahrhunderts neu aufgestellte Seminar für Altes Testament an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität steht hinsichtlich seiner literatur- und religionsgeschichtlichen sowie seiner philologischen und hermeneutischen Ausrichtung alttestamentlicher Wissenschaft in der Tradition seiner Vorgängerinstitutionen und versucht diese mittels der Schwerpunktsetzungen seiner beiden Lehrstühle (Exegese und Literaturgeschichte des Alten Testaments; Geschichte Israels in der altorientalischen Welt) sowie seines Instituts für altorientalische und hellenistische Religionsgeschichte weiter zu profilieren.

Literatur:

Bernhardt, Karl-Heinz: Die Geschichte des Berliner Lehrstuhls für Altes Testament, in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt-Universität zu Berlin. Gesellschaftswissenschaftliche Reihe XXXIV (1985) 7, S. 527–532.

Liwak, Rüdiger: Das Alte Testament und die Theologische Fakultät in der Gründungszeit der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin, in: 450 Jahre Evangelische Theologie in Berlin, hg. v. G. Besier u. C. Gestrich, Göttingen 1989, S. 163–182 (Nachdruck in: R. Liwak, Israel in der altorientalischen Welt. Gesammelte Studien zur Kultur- und Religionsgeschichte des antiken Israel, hg. v. Dagmar Pruin u. Markus Witte, BZAW 444, Berlin/Boston 2013, S. 263–282).

Smend, Rudolf: Kritiker und Exegeten. Porträtskizzen zu vier Jahrhunderten alttestamentlicher Wissenschaft, Göttingen 2017.

Witte, Markus: Das Alte Testament und die Religionsgeschichte, in: Evangelische Theologie an Staatlichen Universitäten, hg. v. S. Alkier u. H.-G. Heimbrock, Göttingen 2011, S. 300–321.

Witte, Markus: Von der Analyse zur Synthese. Historisch-kritische Anmerkungen zu Hermann Gunkels Konzept einer israelitischen Literaturgeschichte, in: Hermann Gunkel revisited, hg. v. U.E. Eisen u. E.S. Gerstenberger, Münster 2010, S. 21–51.
 


 

Das Fach Altes Testament blickt in Berlin auf eine vielfältige Geschichte zurück. An dieser Stelle wird eine Auswahl von ehemaligen Vertretern des Faches präsentiert.

 

Übersicht:

(per Klick auf den Namen gelangen Sie direkt zur jeweiligen Person)

  1. Wilhelm Martin Leberecht de Wette
  2. Ernst Wilhelm Hengstenberg
  3. Johann Karl Wilhelm Vatke
  4. August Dillmann
  5. Hermann Leberecht Strack
  6. Hermann Gunkel
  7. Wolf Wilhelm Graf von Baudissin
  8. Hugo Gressmann
  9. Ernst Sellin
  10. Johannes Hempel

 


Wilhelm Martin Leberecht de Wette

Biographie


* 1780 † 1849
Nach dem Besuch des Gymnasiums in Weimar, studierte der Pfarrerssohn 1799–1805 in Jena Theologie. Seine Promotion eröffnete die Pentateuchforschung des 19. Jh. Seit 1807 Professor in Heidelberg, übersetzte er gemeinsam mit J.Ch.W. Augusti das AT und kommentierte die Psalmen unter Vorausnahme wesentlicher Elemente der gattungsgeschichtlichen Betrachtung H. Gunkels. In Heidelberg schloss er Freundschaft mit J.F. Fries, dessen anthropologisches System von „Wissen, Glauben und Ahndung“ er seiner eigenen Dogmatik zugrunde legte. Seit 1810 war er Professor an der eben gegründeten Friedrich-Wilhelm-Universität Berlin und schloss 1817 Freundschaft mit F. Schleiermacher. Seit 1822 Professor in Basel, erwarb er sich große Verdienste um Fakultät und Universität, aber kirchlich-theologisch zerrieb er sich zwischen Pietismus und Spekulation. Für die Fortschritte der historisch kritischen Bibelwissenschaft im Zusammenhang mit der Philosophie Hegels hatte er wenig Verständnis. Das Hauptwerk seiner Basler Zeit ist das „Kurzgefaßte exegetische Handbuch zum NT“ (1835–1848).

Ausgewählte Werke

  • Vf. u.a.: Lehrbuch der Hebräisch-Jüdischen Archäologie, 1814, 31842.
  • Christliche Sittenlehre, 3 Bde., 1819–1823.
  • Lehrbuch der historisch-kritischen Einleitung in die Bibel Alten und Neuen Testaments, Bd.1, 1817, 61845; Bd.2, 1826, 51847.
  • Über die Religion, ihr Wesen, ihre Erscheinungsformen und ihren Einfluß auf das Leben, 1827.

 


Ernst Wilhelm Hengstenberg

Biographie


* 1802 † 1869
H. studierte in Bonn orientalische und klassische Philologie. Er habilitierte sich 1824 in Berlin für Orientalistik, wechselte 1825 aber in die theologische Fakultät. Dort 1826 Ernennung als Nachfolger de Wettes zum a.o. und 1828 zum o. Professor. Als Hg. der 1827 gegründeten Evangelischen Kirchenzeitung bekämpfte Hengstenberg den aufklärerisch-liberalen Rationalismus, den idealistischen Bildungsprotestantismus und die deutsche Klassik. Gegen die Rationalisten, die Rechtsstaat und konstitutionelle Monarchie forderten, gab er überkommenen Theologumena einen neuen politischen Sinn, um einen neoständisch geordneten „christlichen Staat“ mit gott- gegebener monarchischer Autorität zu legitimieren. Als akademischer Lehrer bekämpfte er die theologischen Hegelianer. Die polemische Frontstellung gegen die kritische Historisierung der Exegese verband er in zahlreichen Studien mit streng altprotestantischen dogmatischen Vorgaben. Seine christologische Hermeneutik der Hebräischen Bibel kann als frühe Gestalt einer integrativen „Biblischen  Theologie“ gelesen werden. H. war der erste, der sich mit der Bedeutung der ägyptischen Archäologie für die atl. Wissenschaft auseinandersetzte.

Ausgewählte Werke

  • Einige Worte über die Nothwendigkeit der Überordnung des äußeren Wortes über das innere, nebst Stellen aus Luthers Schriften, 1825.
  • Christologie des AT, 4 Bde., 1829–1835.
  • Die Bücher Mose’s und Aegypten, 1841.

 


Johann Karl Wilhelm Vatke

Biographie


* 1806 † 1882

© UB der HU zu Berlin
Porträtsammlung: Wilhelm Vatke
V. war seit 1820 Schüler an den Franckeschen Stiftungen in Halle, ab 1824 studierte er Theologie in Halle, Göttingen und Berlin u.a. bei W. Gesenius, H. Ewald, A. Neander und G.W.F. Hegel. Seit 1830 als Privatdozent in Berlin, wurde er 1837 zum außerordentlichen Professor für Bibelwissenschaft und Religionsphilosophie an der theologischen Fakultät ernannt. Die Berufung zum ordentlichen Professor scheiterte dauerhaft am Widerstand E.W. Hengstenbergs u.a. Enge Beziehungen bestanden zu Ph.K. Marheineke, K.I. Nitzsch und D.F. Strauß. Die Bedeutung Vatkes besteht mit Blick auf das AT – im Anschluss an W.M.L. de Wette und unter Zugrundelegung einer an Hegel orientierten Religionssystematik – in der Rekonstruktion der alttestamentlichen Religionsgeschichte als einer Entwicklung von der Naturreligion zum Monotheismus. Die Gesetzgebung ist für Vatke ein Produkt der Perserzeit. Seine durch Hegel beeinflusste Religionsphilosophie hat – im Gegensatz zur Aufnahme seiner historischen Forschung am AT durch J. Wellhausen – keine Nachfolger gefunden.

Ausgewählte Werke

  • Die Religion des AT nach den kanonischen Büchern entwickelt, 1835.
  • Die menschliche Freiheit in ihrem Verhältniß zur Sünde und zur göttlichen Gnade, 1841.
  • Historisch-kritische Einleitung in das AT, 1886.
  • Religionsphilosophie oder Allgemeine Philosophische  Theologie, 1888.

 


August Dillmann

Biographie


* 1823 † 1894

© UB der HU zu Berlin
Porträtsammlung: August Dillmann (Format (8“)
D. studierte an der Universität Tübingen Theologie und Philosophie. Er widmete sich als Schüler Heinrich G.A. Ewalds orientalischen Studien. Nach der Promotion zum Dr. phil. studierte er von 1846-1848 äthiopische Handschriften in Paris, London und Oxford. Nach seiner Rückkehr wurde D. in Tübingen Repetent am Tübinger Stift, 1851 Privatdozent und 1853 a.o. Professor. 1854 wechselte er an die Universität Kiel, wo er 1860 die ordentliche Professur für orientalische Sprachen erhielt. 1864 wechselte er als ordentlicher Professor für atl. Exegese an die Universität Gießen. 1869 wurde er an der Universität Berlin als Nachfolger von E.W. Hengstenberg Professor für Altes Testament und orientalische Sprachen. 1875/76 bekleidete er das Amt des Rektors an der Berliner Universität. 1881 Präsident des internationalen Orientalistenkongresses. Ab 1872 war er auswärtiges Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und ab 1877 ordentliches Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften. Bekannt wurde D. als Neubegründer der äthiopischen Philologie und als Verfasser zahlreicher Kommentare zu Büchern des AT.

Ausgewählte Werke

  • Grammatik der äthiopischen Sprache, 1857.
  • Lexicon linguae aethiopicae, 1865.
  • Chrestomathia aethiopica, 1866.
  • Hiob, 1869.
  • Die Genesis, 1882.
  • Der Prophet Jesaja, 1890.

 


Hermann Leberecht Strack

Biographie


* 1848 † 1922

© UB der HU zu Berlin
Porträtsammlung: Hermann Strack
Strack, dem konservativen Protestantismus verbundener Theologe und Judaist. Seit 1877 a.o. Prof. für AT und ao. Sprachen in Berlin; 1883 Mitbegründer, seit 1886 Leiter des Institutum Judaicum Berolinense, das sich der wissenschaftlichen Erhellung jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur, aber auch der Judenmission verschrieb. Obwohl ihm die missionarische Zielsetzung und die theol. Behauptung der Überlegenheit des Christentums Kritik eintrug, wurde S. von jüdischen Kollegen wegen seines engagierten Eintretens gegen die judenfeindliche Agitation A. Stoeckers und die verbreitete antisemitische „Talmudhetze“ sowie auf Grund seiner Forschungen zur rabbinischen Literatur und zur Geschichte des palästinensischen Judentums sehr geschätzt. In seinen Arbeiten zur Hebräischen Bibel betonte S. die heilsgeschichtliche Kontinuität von AT und NT. Bahnbrechend für die ntl. Forschung wurde die philologisch-exegetische Erschließung von Talmud und Midrash als des kulturellen Mutterbodens des frühen Christentums. Neben einer historisch-literarischen Einleitung in die rabbinische Literatur publizierte er gemeinsam mit P. Billerbeck einen „Kommentar zum NT aus Talmud und Midrasch.“

Ausgewählte Werke

  • Katalog der Hebräschen Bibelhandschri en der Kaiserlichen Öffentlichen Bibliothek in St. Petersburg. St. Petersburg und Leipzig 1875, in Zusammenarbeit mit Abraham Harkavy.
  • Prophetarum Posteriorum Codex Babylonicus Petropolitanus, 1876.
  • Prolegomena Critica in Vetus Testamentum Hebraicum, 1873.
  • Vf. u.a.: Das Blut im Glauben und Aberglauben der Menschheit, 1900.
  • Einleitung in Talmud und Midrasch, 1921.
  • Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch. In Zusammenarbeit mit Paul Billerbeck, 4 Bände, 1922–1928.

 


Hermann Gunkel

Biographie


* 1862 † 1932

© UB der HU zu Berlin
Porträtsammlung: Hermann Gunkel
(Fotograf: Pawlowsky)
G. war zunächst Dozent für NT in Göttingen, lehrte dann AT in Halle; anschließend war er a.o. Prof. in Berlin, Prof. in Gießen und Halle. G. war eine führende Gestalt der religionsgeschichtlichen Bewegung und gilt als einer der einflussreichsten Alttestamentler des 20. Jh. Er nahm die zu seiner Zeit vorherrschende literarkritische Analyse der verschrifteten Texte auf. In seinem Werk „Schöpfung und Chaos“ untersuchte G. die Geschichte der Rezeption ao. Schöpfungsmythen von Gen 1 bis zur Apk. Er führte die Methode der Traditionsgeschichte und der Gattungsgeschichte in die atl. Wissenschaft ein und zeigte die Möglichkeit auf, hinter späte lit. Kompositionen wie die des Pentateuch zu frühen Stadien der Traditionsgeschichte Israels zurückgehen zu können. In seinem Genesis-Kommentar konzentrierte sich G. auf kleinere literarische Einheiten, deren Autoren er als „Sammler“ und nicht als Vf. im strengen Sinn bezeichnete. G. legte aber den Schwerpunkt seiner Arbeit auf die mündliche Vorgeschichte der Texte und bemühte sich um eine soziokulturelle Verortung der Texte („Sitz im Leben“). Schließlich erhob G. die Forderung nach einer echten literaturgeschichtlichen Erforschung des AT.

Ausgewählte Werke

  • Die Wirkungen des heiligen Geistes: nach der populären Anschauung der apostolischen Zeit und der Lehre des Apostels Paulus: eine biblisch-theologische Studie, 1888.
  • Schöpfung und Chaos in Urzeit und Endzeit : eine religionsgeschichtliche Un- tersuchung über Gen 1 und Ap Joh 12, 1895.
  • Genesis, übersetzt und erklärt, 1902.
  • Israel und Babylonien: Der Einfluss Babyloniens auf die Israelitische Religion, 1903.
  • Einleitung in die Psalmen, 1926.

 


Wolf Wilhelm Graf von Baudissin

Biographie


* 1847 † 1926

© UB der HU zu Berlin
Porträtsammlung: Wolf Wilhelm von Baudissin
Baudissin studierte Theologie und Orientalismus in Erlangen, Heidelberg, Berlin, Leipzig und Kiel, wobei sein wichtigster Lehrer Franz Delitzsch war. Nach seiner Habilitation in Leipzig 1874 war er von 1876 bis 1881 Professor für das Alte Testament in Straßburg. 1881 ging er nach Marburg, wo er bis zu seinem Wechsel im Jahr 1900 nach Berlin blieb. In seiner Antrittsrede als Rektor im Oktober 1912 befasste er sich mit dem Thema „Die alttestamentliche Wissenschaft und die Religionsgeschichte.“ Bezüglich der alttestamentlichen Einleitungsfragen besonnen konservativ, leistete er Bahnbrechendes in der Heranziehung der damals (also vor der Entdeckung der Texte von Ugarit) bekannten Reste der phönizisch-kanaanäischen und der aramäischen Religion für das Verständnis der israelitisch-jüdischen Gottesvorstellung.

Ausgewählte Werke

  • Vf. u.a.: Studien zur Semitischen Religionsgeschichte, 2 Bde., 1876/78.
  • Einleitung in die Bücher des AT, 1901.
  • Kyrios als Gottesname im Judentum und seine Stelle in der Religionsgeschichte, 4 Bde., 1929.
  • Bibliographie in: Abhandlungen zur Semitischen Religionskunde und Sprachwissenschaft. W.W.Gr.v.B. zum 26.9.1917 (BZAW 33, 1918).

 


Hugo Gressmann

Biographie


* 1877 † 1927

© UB der HU zu Berlin
Porträtsammlung: Hugo Gressmann
G. studierte Theologie und ao. Sprachen in Greifswald, Göttingen, Marburg und Kiel bei u.a. bei J. Wellhausen, R. Smend, wurde 1899 in Göttingen zum Dr. phil. und 1902 in Kiel zum Dr. theol. promoviert, war 1902–1906 PD in Kiel, 1906 Mitarbeiter des Deutschen Evangelischen Instituts für Altertumswissenschaften in Jerusalem und 1907–1927 Prof. in Berlin. G. ist ein profilierter Vertreter der Religionsgeschichtlichen Schule, der sich in Ergänzung der literarkritischen Arbeit seiner Lehrer Wellhausen und Smend konsequent der v.a. von A. Eichhorn angeregten Fragestellung öffnete und den gattungs- und überlieferungsgeschichtlichen Ansatz H. Gunkels aufnahm, wie u.a. die Kommentare in SAT zeigen. Die von G. gemeinsam mit Fachgelehrten hg. Sammlungen ao. Texte und Bilder zum AT (AOT und AOB) wurden Standardwerke für die religionsgeschichtliche Erschließung des AT. Große Verdienste erwarb sich G. als Leiter des Institutum Judaicum (seit 1922), dem er mit der Abkehr von der Judenmission und der Hinwendung zur wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Judentum eine neue Bestimmung gab, sowie als Hg. der ZAW (seit 1924).

Ausgewählte Werke

  • Der Ursprung der israelitisch-jüdischen Eschatologie, 1905.
  • Mose und seine Zeit: Ein Kommentar zu den Mosesagen, 1913.
  • Der Zauberstab des Mose und die eherne Schlange. In: Zeitschrift  des Vereins für Volkskunde 23, 1913, S. 18–35.
  • (Hrsg.) Altorientalische Texte und Bilder zum Alten Testament 1909; 21926.
  • Der Messias, 1929. (Neubearbeitung der israelitisch-jüdischen Eschatologie, aus dem Nachlass herausgegeben von Hans Schmidt)

 


Ernst Sellin

Biografie


* 1867 † 1946

© UB der HU zu Berlin
Porträtsammlung: Ernst Sellin
Sellin studierte Evangelische Theologie und Orientalistik in Rostock. Er wurde 1897 Prof. in der Evangelisch-Theologischen Fakultät in Wien, später in Rostock und Kiel und lehrte von 1921 bis zu seiner Emeritierung 1935 an der Universität Berlin. Er fand vor allem als Exeget, Einleitungswissenschaftler und Ausgräber Beachtung. Sellin erkannte früh die Wichtigkeit der Archäologie in Bezug auf seine theologischen Arbeiten und leitete von 1902 bis 1904 die Ausgrabungen auf dem Tell Ta‘anach in Palästina. Einen weiteren Schwerpunkt seiner Arbeit bildete die archäologische Erforschung der Stadt Jericho (Tell es Sultan, 1907 bis 1909) und Sichem (Tell Balata, 1913 bis 1914). Sellin stellte anfangs des 20. Jahrhunderts die These auf, Mose sei als „Märtyrer“ von den Israeliten getötet worden. In seiner Studie „Der Mann Moses und die monotheistische Religion“ stützt sich Sigmund Freud auch auf Erkenntnisse Sellins.

Ausgewählte Werke

  • Beiträge zur israelitischen und jüdischen Religionsgeschichte, 1896.
  • Studien zur Entstehungsgeschichte der jüdischen Gemeinde, 1901.
  • Das Rätsel des deuterojesajanischen Buches, 1907.
  • Einleitung in das Alte Testament, 1910, 12 Aufkagen bis 1979.
  • Mose und seine Bedeutung für die israelitisch-jüdische Religionsgeschichte, 1922.
  • Das Alte Testament im christlichen Gottesdienst und Unterricht, 1936.

 


Johannes Hempel

Biographie


* 1891 † 1964
Von 1925 bis 1928 hatte H. den Lehrstuhl für AT an der Universität Greifswald inne und nahm dann die Nachfolge von A. Bertholet in Göttingen an. Im November 1933 gehörte Hempel zu den Unterzeichnern des Bekenntnisses der Professoren an den dt. Universitäten und Hochschulen zu A. Hitler und dem nationalsozialistischen Staat. Er übernahm die Herausgeberschaft der Zeitschrift für die alttestamentliche Wissenschaft. Im Jahre 1937 wurde er nach Berlin berufen und leitete das Institutum Judaicum zur Erforschung des Judentums „vom Boden der nationalsozialistischen Weltanschauung aus.“ Im Jahre 1939 erklärte Hempel seine Mitarbeit am Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben als Leiter der Arbeitsgruppe Altes Testament. Auf der Arbeitstagung im März 1941 referierte er über „Die Aufgabe von Theologie und Kirche von der Front her gesehen.“ Im Jahre 1955 wurde er Honorarprofessor in Göttingen und betrieb ab 1958 als Emeritus seine wissenschaftliche Arbeit weiter.

Ausgewählte Werke

  • Der alttestamentliche Gott. Sein Gericht und sein Heil, 1926.
  • Gott und Mensch im Alten Testament. Studie zur Geschichte der Frömmigkeit, 1926.
  • Altes Testament und Geschichte, 1930.
  • Worte der Profeten in neuer Übertragung und mit Erläuterungen, 1949.
  • Glaube, Mythos und Geschichte im Alten Testament,1954.
  • Die Texte von Qumran in der heutigen Forschung. Weitere Mitteilungen über Text und Auslegung der am Nordwestende des Toten Meeres gefundenen hebräischen Handschriften, 1962.